»Du, Mutter?«
»Was denn, Carmen?«
»Der Laurenz Terbroich sagt, der Vater hielt’s in Köln nicht aus, weil er hier nichts erleben könnt’.«
»Nein, Kind. Aber Köln ist zu eng für ihn. Er muß die weite Welt um sich haben, weil er so groß ist.«
»Und der Laurenz sagte: weil draußen so viel schöne Frauen wären.«
Frau Maria nahm ihr Kind in den Arm. »Hör mich an, Carmen. Du wirst größer und klüger. Ich kann schon manches mit dir besprechen. Dein Vater — siehst du, dein Vater ist ein Mann, wie es ihn nicht zum zweiten Male gibt. Ich, deine Mutter, sage dir das. Und wenn man dir einmal etwas anderes erzählen will, glaube es nicht. Das ist gar nicht dein Vater, von dem man etwas anderes spricht. Das ist nur ein Doppelgänger.«
»Ein Doppelgänger?«
»Das ist ein Mann, der gerade so aussieht, gerade so sonnig und groß, und der — zuweilen — auf Kosten des anderen — Fehler begeht.«
»Und kennt der Vater den Mann nicht?«
»Nein,« erwiderte sie trübe lächelnd, »er kennt ihn noch immer nicht. Aber wenn er ihn erst findet, dann - ja, dann ist es vorbei mit dem anderen — für immer.« Und plötzlich zog sie das Kind an sich und küßte es heiß, küßte es, als ob sie den Kuß fortsetzen müßte, den sie dem Manne zum Abschied gegeben hatte ...