»Komm, Kind, wir wollen zu Bett gehen. Ich bin heute müde.«
Als sie das Mädchen zu Bett gebracht hatte, ging sie in ihr Schlafzimmer. Sie blickte sich um. Allein — — —.
»Es war ein Märchen,« dachte sie, »aber ich hab’ es doch erlebt.«
Und sie löschte das Licht. — — —
V
»Wie die Wasser des Trevi heute melancholisch rauschen ...«
Joseph Otten nahm dem fettleibigen Peppe, dem Patriarchen der Osteria, Glas und Flasche ab, schwenkte das Glas mit einigen Tropfen des blinkenden Frascati um, die er in das schmale, weindunstdurchzogene Zimmer spritzte, goß ein und trank Heinrich Koch zu. Wieder war es ein Vorfrühlingstag, ein sommerwarmer Februarmorgen. Die Sonnenstrahlen strömten durch die weit offene Tür der Osteria, kitzelten den Staub auf Tischen und Fußboden, ließen ihn in feinen Säulen tanzen und flirren wie eine neckische Mahnung für den Wirt, der sie gutmütig lächelnd übersah, und trieben ein frohes Farbenspiel in den Weinresten, die verschüttet auf den Tischen lagen, ohne daß sie einen Gast genierten.
Heinrich Koch, im langen, etwas abgetragenen Gehrock, schlürfte langsam den Wein. »Ich höre die Fontana, wie ich sie seit Jahren höre. Sie rinnt und verrinnt, rinnt und verrinnt — höchstens, daß ich das Verrinnen jetzt deutlicher höre.«
»Oho! Damit hat es noch lange Zeit.«
»Ich war es nicht, der die melancholische Note ins Gespräch trug.«