»Ich auch nicht.«
»Also war es die Treviflut. Trink, Joseph, der Frascati spült das nichtsnutzige Gehirn rein. Du bist gestern beim Botschafter zu sehr gefeiert worden.«
»Zu sehr —? Das ist kein Kompliment für meine Kunst.«
»Nein,« sagte Koch und schenkte sein Glas voll, »von deiner Kunst habe ich nicht gesprochen. Sie steht außerhalb dieses Frühschoppens, denn dazu ist sie mir doch zu heilig. Wenn es für dich darin noch eine Höhe zu erreichen gab, du hast sie erreicht. Sie ist gereift wie ein edler Wein. Voll und feurig .... Sonderbar, ist es dir nicht auch mehr als oft aufgefallen, daß man den besten Wein in den — in den ungeniertesten Kneipen trinkt?«
»Prosit, Hochwürden. Ich wittere es: jetzt kommt’s.«
»Schön, wenn du es hören willst. Den Künstler ›hors concours‹. Der Mensch gefällt mir nicht so recht.«
»Hm — —. Du meinst damit: der Mensch ist dir gestern auf der Soiree zu sehr gefeiert worden.«
»Das wäre nicht so schlimm. Nur — daß es dem Herrn Doktor Otten gar nicht unlieb zu sein scheint.«
»Lieber Heinrich, deine Freundschaft und tiefen Kenntnisse in Ehren. Aber ob ein Zölibatär in diesen Dingen die richtige Entscheidung zu treffen vermag —«
»Ich denke gar nicht daran, eine Entscheidung zu treffen. Ich bin, wie du es aussprachst, sozusagen doch immer nur ein Zaungast, wenn es an die Hauptfesttafel geht. Möglich, daß auch der Neid mein Auge schärft. Denn ich fliehe nicht umsonst meine kahle Wohnung und sitze bis tief in die Nacht beim biederen Peppe an der Fontana Trevi oder beim nicht minder biederen Onkel Pasquale in der Via San Giuseppe hinter der Flasche, mir die Einsamkeit wegzutäuschen. Lassen wir das. Dir gegenüber bin ich ohne Neid, das weißt du, und wenn dir der Padischah als Honorar ein Passepartout überreichen ließe. Aber gerade deshalb bin ich — deine Objektivität.«