»Nein. Ich fühle nur heraus, daß dein Verständnis für diese Dinge nicht ausreicht.«
»Dem könntest du ja leicht zu Hilfe kommen. Aber du wirst dich hüten. Denn es müßte auf Kosten deines Siegergefühls geschehen.«
»Du gefällst dir in Rätseln.«
»Ist das so schwer? Oder glaubst du, daß diese Frauen dir gegenüber nicht dasselbe Siegergefühl hätten?«
»Pah!«
»Damit bläst du den Staub von den schönen Bildern nicht herunter. Der haftet fester.«
»Du hast heute deinen sentimentalen Tag, Heinrich. Das liegt an diesem jungen Vorfrühlingstag. Mich stachelt die erste warme Sonne auf zu neuen Erlebnissen, dich schlägt sie nieder, weil du keine alten hast. Das ist es. Denn im Grunde genommen spürst du die Sonne gerade so sehnsüchtig wie ich.«
Heinrich Koch blickte an seinem langen schwarzen Rock hinab, der keine sorgende Hand verriet. Seine Lippen preßten sich aufeinander. »Ich habe kein Weib,« sagte er dann. »Aber hätte ich es, ich wüßte den Unterschied zu machen zwischen Weib und Weibern.«
»Die Frauen von heute sind anders geworden, als unsere Mütter waren, Heinrich. Und wir sind es auch.«
»Wir — das unterschreibe ich. Der Kampf um den Erwerb ist heißer geworden, und damit auch die Gier. Das geht immer Hand in Hand. Aber daß die Frauen anders wie unsere Mütter werden könnten? Ach, du meinst, im äußerlichen Behaben, auch in der wissenschaftlichen Fortschulung, beides zusammengenommen in der Emanzipation? Aber doch wahrhaftig nicht im Mutterwerden.«