»Auch darin. Weshalb nicht?«
»Weil im Liebesleben ein Teil der passive sein muß, und weil die Natur diese Stelle der Frau zugesprochen hat. Man kann gegen die Naturgesetze verstoßen, aber man kann sie auf die Dauer nicht wegdisputieren. Weil sie das Ewige sind.«
»Weshalb soll nicht auch den Frauen die Aktivität in ihrer Liebe zugesprochen werden?«
»Sobald ihr euch herbeilaßt, Unterröcke anzuziehen. Sonst ist der heilige Spaß beim Teufel.«
»Mein lieber Heinrich, es stehen Frauen an der Spitze, die geistvoller sind als wir beide.«
»Geistvoll. Aber auch reizvoll? So jung, so schön, so lieb und umworben, daß sie die Wahl haben unter Männern von Schrot und Korn? Da hapert’s. Altes oder dürres Holz brennt am leichtesten, mein lieber Joseph. Und es weiß auch, weshalb. Stellt mir statt eurer Agitatorinnen Mädel und Frauen an die Spitze, die über die Leibes- und Seelentugenden verfügen, wie ich sie schilderte, und die sich dennoch aus purster Begeisterung für die Sache ausbieten, und ich will mich auf der Stelle bekehren.«
»Ausbieten? Du weißt wohl nicht, was du sprichst. Eine jede Frau hat das Recht, das Glück zu erfahren, das ihre bevorzugtere Schwester erfährt.«
»Schön gesagt. Das müßte dann aber auch für alle Männer gelten, für alle! Oder die Gleichstellung wäre schon wieder illusorisch. Ich bezweifle nur, daß die Frauen darauf eingingen.«
»Und was Jugend, Schönheit und Gesinnungsadel betrifft,« fuhr Otten unbeirrt fort, »so ist daran unter den Frauen, die sich von der Schablone befreiten, kein Mangel, das kann ich dir versichern.«
»Und — die Treue?«