»Sie sind so treu wie wir!«

»Das heißt also: ausgeschlossen.«

»Können wir nicht auch treu sein? Übrigens, wenn du bei uns die Treue für ausgeschlossen hältst —«

»Bei uns? O nein. Bei euch! Das ist ein Unterschied. Nur bei euch Menschen der ›wechselnden Bilder‹, der ›Wallung des Bluts‹, der Menschen mit dem umgekehrten kategorischen Imperativ, wenn so was wie Selbstkultur auftaucht.«

»Wir sind mündig. Es gibt ein Selbstbestimmungsrecht.«

»Laßt es euren Töchtern passieren,« sagte Heinrich Koch trocken.

Otten sah auf. Eine Röte lief über seine Stirn. »Was soll das? Du willst mir die Laune verderben.«

»Laßt es euren Töchtern passieren,« wiederholte der andere. »Und seid ihr im stande, euch auszudenken, daß auch eure Töchter dasselbe Leben leben könnten wie ihr, mit demselben ausgedehnten Selbstbestimmungsrecht, und es wird euch nicht plötzlich schwarz vor den Augen, dann darfst du mich ruhig dem vatikanischen Museum als lebendige Mumie überweisen lassen, die überfällig ist.«

Otten erhob sich. »Das geht zu weit,« sagte er. »Auf das Gebiet der Sophismen folge ich dir nicht.«

»Das ist keine Antwort. Denn der Sophist, der vor den Realitäten den Kopf in den Sand steckt, bin nicht ich.«