»Was Rom zu heißen verdient, wird am Nachmittage draußen sein.«
»Wo speisen wir? Vor der Porta San Giovanni? In der Faccia fresca? Es ist Sonntag und ein Sonnentag dazu!«
Jubelnd wurde Ottens Vorschlag aufgegriffen. »In der Faccia fresca! Die Augen auf! Die Herzen auf! Die Magen nicht vergessen! Kommen Sie mit, Professor? Die Geschichte der Kirche wird aufatmen! Leben und leben lassen!«
Koch dankte. Er habe noch eine wichtige Prüfung vor.
»Wetten, daß wir ihn am Abend prüfend bei Pasquale finden?«
»Da kommen die Landauer! Den Bauch geschweift, ordentlich ausgebuchtet. Man sieht’s ihnen an, daß sie im Hinblick auf den Transport von Kirchenvätern gearbeitet wurden, die nicht nur auf Fülle der Gedanken hielten. Segen ihrer Korpulenz! Wir werden davon Nutzen ziehen.«
Die beiden Kutscher, Vollblutrömer, klatschten mit ihren Peitschen. Otten stieg in den Fond des ersten Wagens. Neben ihm nahm der junge Maler Platz, der mit ihm das Gespräch geführt hatte. Die übrigen verteilten sich nach Zufall und Laune. Heinrich Koch stand, das Glas in der Hand, auf der Straße und sah sie abfahren. »Leichtfertig Volk,« murmelte er und kehrte an seinen Platz zurück, »aber verdammt glücklich.« — —
Die mächtigen braunen Karossiers trabten stolz durch die Sonne. Die Stadt wurde durchquert, die imposante Komposition von San Giovanni in Laterano tauchte auf, und der junge Maler an Ottens Seite begrüßte sie mit dem alten Weihespruch: »Hochheilige Laterankirche, aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises Mutter und Haupt!«
»Verleiht das Heiligengewimmel auf dem Prachtbau dem ehrwürdigen Monument nicht das Aussehen einer Fregatte, in deren Rahen die Mannschaften aufgeentert sind?« rief der Journalisten einer. Und die Porta San Giovanni lag hinter ihnen.
Otten saß still. Vor ihm breitete sich, von der Via Appia Nuova majestätisch durchschnitten, das Panorama aller Panoramen, die römische Campagna. Die leise Wirkung des Weines war verflogen. Andächtig wurden seine Augen vor den Spuren eines vergangenen Weltreichs, das hier die Sommerpaläste seiner Großen und — ihre Gräber hatte. Wie ein Rahmen aus edelster Künstlerhand legte sich die geschwungene Linie der Albanerberge um das Bild.