»Weil Sie mich so ausgelassen sehen? Ich vollziehe eine Feier.«

»Eine Feier? Ah, wie romantisch, hier auf altem etruskischen Boden, das Paradies des Arnotales zu Füßen, Sonne und Wonne um sich her. Und was für eine Feier?«

»Meinen Abschied von der Jugend.«

»Gnädige Frau,« grollte er, »so dürfen Sie nicht sprechen.«

»Kommen Sie, kommen Sie, junger Freund, wir wollen uns den Feiertag nicht mit Sentimentalitäten verderben. Ach, ist das schön, ist das schön!«

Sie beschrieb mit ihrem Sonnenschirm einen großen Kreis durch die Luft, sog, die Lider halb gesenkt, den würzigen Duft der Zypressen ein und wandte sich dann hastig, um den Aufstieg fortzusetzen. Ohne eine Spur von Müdigkeit zu zeigen, leicht und graziös schritt sie vor ihm her, und sein Auge haftete mit naivem Entzücken auf dem winzigen Fuß.

In Fiesole besichtigten sie die ehrwürdige Kathedrale und begaben sich weiter zu den Überresten des antiken Theaters und der Arena, den uralten Thermen und zu der Ringmauer aus etruskischer Zeit. Hier war ein lieblicher Platz, um in das frische Mugnonetal hinab seine Träume spazieren zu führen, und sie machten ausgiebigen Gebrauch davon.

Die Mittagszeit war vorüber. Sie hatten in einer einfachen Trattoria ihr Mahl eingenommen, einige Gläser roten Landweins getrunken und wiederum neue Aussichtspunkte aufgesucht, in der Nähe des Klosters, das sich die Söhne des heiligen Franz mit feinem Sinn für Erdenschönheiten hoch oben an der Stelle der alten Akropolis von Fiesole aufgebaut. Über Frau v. Stein kam eine erregte Stimmung. Sie sang, scherzte und neckte sich mit ihrem Begleiter, um gleich darauf in tiefe Niedergeschlagenheit zu versinken, aus der sie sich wieder mit einem plötzlichen Scherzwort oder einem Tasten nach Erkelenz’ Arm herausriß.

»Was ist Ihnen nur, gnädige Frau?« fragte er besorgt.

»Lassen Sie mir doch mein Vergnügen,« rief sie, »Sie sehen ja, daß ich mich freue.«