»Ich kann Ihre rätselhaften Worte vom Abschiednehmen nicht aus dem Kopf bekommen,« entgegnete er.

»Nicht daran denken, lieber Freund, nicht daran denken. Ich möcht’s ja selbst nicht glauben.«

Sie gingen den Weg nach San Domenico zurück, und sie blieb nahe an seiner Seite, als ob ihr etwas Furcht bereite.

»Erzählen Sie mir, was Sie drückt,« bat er. »Ich sehe doch, daß Sie leiden.«

»Woran ich leide?« fragte sie sinnend. »Sie würden es nicht verstehen, wenn ich es Ihnen auch sagen wollte.«

»Versuchen Sie es,« drängte er voll Teilnahme.

»Nun gut. Sie mögen es wissen. Ich leide unter dem, was ich nicht besessen habe, an dem Mangel schöner Erinnerungen, an dem Mangel alles vergessen machender Liebesstunden, wie jedes Weib sie begehrt, die wir nötig haben, wenn wir eine gute Mutter werden wollen, ich – Sie blicken mich betroffen an? Sie denken, sie ist doch vermählt gewesen! Ja, das war ich, aber daß ich früh Witwe wurde, war der schönere Teil meiner Ehe. Mit siebzehn Jahren, die Welt verlangend, an einen Mann gekettet, für den das Leben keine süßen Geheimnisse mehr hatte; sich mit der Neige einer Liebe begnügen müssen, wo das jugendlachende Herz aus dem Vollen schöpfen wollte. Ach, nur ein einziges Mal es können!«

»Aber Sie haben ein Kind,« sagte er leise und drückte unbewußt ihren Arm.

»Ein Kind –?« wiederholte sie. »Ich war ja selbst noch ein Kind, das eben erst seine Puppe in die Ecke gestellt hatte. Ich hatte mich ja selbst noch zu erziehen, wie sollte ich da ein Kind erziehen. Bei einer Reise durch Italien sah ich meine Ohnmacht ein, und ich gab es den frommen Schwestern in Florenz zur Erziehung. Dort wird es wenigstens nicht gelernt haben, den Mann hassen, der die Mutter um den Frühling betrog.«

Sie hatte hastig gesprochen und lehnte sich nun erschöpft an ihn.