»O gnädige Frau,« sagte er bewegt, »Sie haben noch einen zweiten Frühling vor sich.«

Da schlug sie die Augen mit so weher Frage zu ihm auf, daß er in seinem Innersten erschüttert sich zu ihr niederbeugte, um sie auf die Stirn zu küssen, wie man ein krankes Kind küßt. Sie sah, was er tun wollte, und drängte, ausweichend, den Kopf gegen seinen Arm. Und bei der jähen Bewegung zuckte sie zusammen, stieß einen Schrei aus und sank an ihm nieder.

»Was ist Ihnen?«

»Ich habe – die Baumwurzel übersehen. Das Fußgelenk – schmerzt.«

Sie hatte Kindertränen in den Augen.

Er wußte nicht aus noch ein. Und da er sie auf dem Rasen sitzen sah, kniete er vor sie hin. Ganz still und verängstigt.

»Liebe, gnädige Frau – –« Und er stützte ihre Schulter.

»So ist’s gut …«

Er regte sich nicht. Um sie her war der leuchtende Abend. Glühwürmchen tanzten in der Luft wie ein unübersehbar Heer von Sternen, das eine Johannisnacht lang überselig zur Erde nieder durfte. Morgen war es vorbei. Morgen waren die tanzenden Lichtlein in Busch und Hag erloschen, und die Sterne kreisten wieder in den vorgeschriebenen Bahnen. Heute – war es noch Frühling.

Ihr Kopf lag noch in seinem Arm. Keiner wußte, wie lange. Als sie ihn aufrichtete, war ihm, als hätten ihre Lippen sein Herz gestreift.