»Nie, nie, Mama,« sprudelte es unter Lachen und Weinen hervor. »Eher sterb’ ich, bevor ich dich verlasse.« Und nun war sie an der Türe und zog den jungen, feuerroten Baumeister herein und wiederholte: »Nie, nie! Du mußt es ihr auch schwören, Karl, daß du sie nie verlassen wirst, oder ich kann dich nicht lieb haben.«
Die schöne Frau zog ihre beiden Kinder an sich.
»Ich weiß, ihr werdet euch nie verlassen, und deshalb auch mich nicht.« – – –
Am Nachmittage ging Frau v. Stein allein die Straße entlang über den Ponte Vecchio und die Anhöhe zum Palazzo Pitti hinauf. Sie suchte den Saal des Saturnus auf und stand lange, die Hände gefaltet, vor dem Bilde der Madonna della Sedia, die, ihr Kind an der Brust, aus glückestrunkenen Mutteraugen selbstvergessen in die Ferne träumt.
»Gottesmutter,« sagte sie leise, »eine Mutter kommt dir danken. Jetzt verstehe ich dich. Des Weibes zweiter Frühling ist das Kind – – –.«
Frühlingsabend
»Das ist ein Frühlingsabend …«
»Guten Abend, Eichner. Ich hoffte kaum noch, daß mein Briefchen dich erreicht hätte.«
»Ja, lieber Junge, an Frühlingsabenden soll man die Menschen in Ruhe lassen. Da hat man genug an der eigenen Unruhe. Laß die Balkontür auf, Harnisch. Bitte. Die Luft lügt, aber sie lügt nur einmal so schön.«
»Was lügt sie denn, du unruhiger Gast?«