»Spürst du das nicht selber? Das gaukelt im Blut und streichelt unsere geheimsten Wünsche heraus und beschwatzt uns, als finge wirklich das Leben noch einmal von vorne an.«
»Das tut’s ja auch. Das Leben erneuert sich mit unserer Erkenntnis.«
»Ich traf gestern ein junges Mädchen, Harnisch. Sie trug keine Krone, aber einen neuen Frühjahrshut, und sie wußte, daß der ihr besser stand. Heute abend wollten wir uns im Stadtpark wiedersehen. Ich warne dich also.«
Harnisch nötigte den Freund in einen Sessel. »Und was hättest du gewonnen?« fragte er lächelnd.
»Ein Stück Leben statt deiner Philosophie. Eine lebendige Lüge meinetwegen, aber immerhin etwas Lebendiges.«
»Eine Wahrheit, die langsam die Augen aufschlägt und sich auf sich besinnt, würde mir besser gefallen als deine schnellfertige Frühlingsgaukelei. Willst du ein Glas Wein? Wir werden später zu Tisch gehen.«
»Erwartest du Gäste? Du bist heute von einer so feierlichen Heiterkeit.«
»Schau hin. Zwei Gedecke. Dazu lade ich dir zuliebe alte Träume ein.«
Der Gast wandte sich um. Er blickte durch das stille Arbeitszimmer, dessen Wände dunkelgerahmte Nachbildungen italienischer Meister schmückten, in das erleuchtete Speisezimmer. Weißer Damast lag auf der Tafel, grüne Römer hoben sich auf schlanken Stengeln neben dem blitzenden Porzellan, ein silberner Korb war mit Veilchen gefüllt und eine Kristallschale mit gelben Orangen.
»Daß du so viel Sinn dafür hast, Harnisch. Ich beneide dich darum.«