»Jeder muß zusehen, daß er sich die Stunden zum Feste macht. Dann gleiten wir trotz allem in die Harmonie.«
»Trotz allem? Wenn ich als Junggeselle so sprechen wollte! Du aber – das harmonischeste Leben von der Welt, Ruhe zum Schaffen und doch eine Frau –«
»Die mich nicht stört, weil sie nicht anwesend ist.«
»Wundervoll! Junggeselle und Ehemann in eins. Das wäre die Erfüllung meiner Träume. Harnisch, du bist ein glücklicher Mensch, und deine Frau ist es nicht minder. Du hast dein Gelehrtenheim, und sie hat ihre Kunst. Sie lebt in der Welt und du in deinen Büchern. Das ist ein Ausgleich, der jung halten muß, den ich bewundernd anstaune.«
»Aus der Ferne.«
»Wahrhaftig, du bist ein undankbarer Pedant. In der beständigen Nähe ist eine Frau wie die andere. So aber kannst du Götterbilder in deine ferne Künstlerin hineinträumen, und die Glorie schwebt noch um ihr Haupt, wenn sie dich heimlich wie die Muse besucht und heimlich wieder in Wolken schwindet. Nur durch die Phantasie leben wir.«
»Wenn unser Herz nichts anderes einzusetzen hat. Aber willst du nicht wissen, weshalb ich dich herbat?«
»Deine Frau kommt?«
»In zwei Tagen erst. Sie hat morgen noch in der Schlußvorstellung zu singen. Die Elsa im Lohengrin. Dann reist sie auf kurze Zeit her und dann wieder zum Rollenstudium zu ihrem Meister nach Frankfurt. Nein, die Freude kann ich dir nicht machen. Du mußt schon fürlieb nehmen mit dem, was von mir kommt.« Er ging zum Schreibtisch und nahm ein Buch auf. »Hier, Eichner, sie ist heute erschienen. Meine Geschichte des Theaters.«
»Ah – –! Ich wußte gar nicht, daß du sie zu Ende geführt hast. Meinen Glückwunsch.«