Nun sprach sie. Hastig, erregt. Und ihre Augen hingen erwartungsvoll an den seinen. »Ein Kollege ist erkrankt, der den Lohengrin singt. Deshalb mußte der Spielplan geändert werden. Und ich – konnte zwei Tage früher reisen.«

»Du hast es dir gewünscht – schneller heimzukommen?«

»Das habe ich mir auch während der Studienzeit oft gewünscht. Aber diesmal komme ich noch mit einem besonderen Wunsch.«

»Meine gnädige Frau,« bat der Gast, »gestatten Sie mir, daß ich mich verabschiede und dafür morgen zu feierlicher Begrüßung erscheine.«

Sie ließ den Blick durch das Arbeitszimmer und durch die geöffnete Tür in das Speisezimmer schweifen. So sehr im Anschauen versunken, daß Eichner sein Urlaubsgesuch wiederholen mußte.

»Aber ich sehe doch zwei Gedecke, Herr Doktor. Ich werde Sie doch nicht hungrig und durstig von dannen jagen.«

»Wenn es so wäre, gnädige Frau, ich hätte es nicht anders verdient. Georg hat mich verführt, einer Absprache untreu zu werden. Es ist zwar nur eine ganz, ganz kleine Absprache, aber der liebe Gott – Verzeihung, der Gott des Frühlings – läßt sich nicht spotten. Noch geht der Schaden auszubessern. Ich laufe also. Auf Wiedersehen!«

Die Gatten waren allein. Und wieder wanderten die Blicke der Frau die Wände des Arbeitszimmers entlang, liebkosten die Nachbildungen der alten Meister, huschten ins Speisezimmer, über Damast, Silber und Kristall, und blieben an dem Veilchenopfer hängen. »Wie schön du es hast – –«

»Es ist von dir her alles so geblieben, Helene.«

Sie schüttelte den Kopf. »Kann man sich selbst so fremd werden? Ich habe das früher einmal so angeordnet? Ich war einmal so?«