»Helene, du wolltest mir einen Wunsch sagen …«

Da schlang sie mit einer scheuen, wilden Mädchenbewegung den Arm um seinen Hals. »Bei dir bleiben, Georg, bei dir bleiben.« Er stand mit geschlossenen Augen und empfand nichts als ihren Wunsch. Ihre Hände glitten über seine Schultern, lagen still und glitten nieder. »Georg, es war schon lange in mir. Ich sträubte mich nur dagegen. Aber als ich hörte: heute schon, heute kann ich heimreisen, und ich nun im Schnellzug saß und die Felder flogen nicht geschwind genug vorüber und ich vor Freude krausen Unsinn trieb – Herrgott, der Gedanke, das ist ja nur für kurze Wochen, ließ mich blaß werden und zittern vor Angst. Georg, hilf mir. Ich kann – das neue Engagement – nicht antreten.«

»Wie sonderbar das ist,« sagte er und lächelte in sich hinein. Im Schreibtisch steckte der Schlüssel. Er zog die Schublade heraus und entnahm ihr ein Kuvert. »Wie sonderbar das ist. Als wir vor Jahren mein Werk planten, hat es dich in den Bann und fortgezogen. Und heute liefert mir das fertige Werk die Mittel, den Bann zu lösen. Es zahlt für sich selbst die Konventionalstrafe. Hier, Helene.«

Sie hatte in atemloser Spannung sein Tun verfolgt. Sie regte sich nicht von ihrem Platz.

»Wieder bei dir sein, Georg? Hier in meiner Wohnung? Frau sein – Ich sein – wieder ruhig atmen? Das willst du? Das soll ich?«

Einen Augenblick lehnte er am Schreibtisch und sah sie an. Dann trat er auf sie zu, legte den Arm um sie und zog sie fest an sich. Und jeder lauschte erstaunt auf den schnellen Herzschlag des anderen …

»Ob ich will, Helene? Ich habe ja nicht mehr arbeiten können, so sehr hast du mir gefehlt.«

»Und ich? Ich habe nur noch arbeiten können, nur noch arbeiten und gar nicht mehr leben. So sehr hast du mir gefehlt.«

»Weshalb schlossest du denn den neuen Vertrag? Jeder Tag wäre uns gewonnen gewesen.«

»Ach, Georg, du mußt nicht lachen, wenn ich es dir sage. Ich wollte nicht kommen, weil es mich – unweiblich dünkte.«