»Aber gewiß, lieber Freund.«
»Wird das, was folgt, keine – verzeihen Sie – keine reguläre Liebesgeschichte?«
»Wollen Sie also weiter hören?«
Er nahm seinen Platz vor dem Kamin wieder ein. Aber in seinem Gesicht war ein unruhiger Zug, den sie bemerkte und der ein sonderbares, mädchenhaftes Gefühl in ihr wachrief. Eine feine Röte lief über ihre Schläfen, als sie weitersprach.
»Er sah sonnenverbrannt und hager aus, der gute Georg, auch war sein Anzug nicht ganz tadelsohne. Aber seine strahlenden Knabenaugen machten alles wett. ›Frau Gräfin,‹ rief er, ›wahrhaftig, es gibt bei uns noch mehr Leute, die sich aus der Stickluft von dannen machen? Und Sie! Gerade Sie! Nun können wir einmal an der Quelle revidieren, was mein alter Herr uns beim Unterricht alles zu sagen vergessen hat.‹
›Ich finde mich in Rom nicht zurecht. Wollen Sie mein Führer sein? Oder besser: mein Lehrer?‹
›Lehrer?‹ wiederholte er. ›Lehren kann hier allein die Natur. Hier sprechen die Steine. Haben Sie das bei Ihren Wanderungen noch nicht vernommen?‹
›Ich bin schwerhörig geworden. Und ob ich überhaupt noch aufnahmefähig bin – ich zweifle fast daran.‹
›Frau Gräfin,‹ sagte er respektvoll, ›ich weiß. Aber Sie sind doch immerhin erst fünfundzwanzig.‹
›Soll das ein Trost sein? Mit fünfundzwanzig schon so weit wie ich?‹