›Also Rom ist zunächst nichts für Sie,‹ fuhr er ruhig fort. ›Erst heißt es: sich akklimatisieren, Land und Leute kennen lernen, die Sonne lieb gewinnen, das blaue, sagenhafte Meer. Und später, wenn das Glück uns wohl will, rücken wir in langsamen Tagemärschen gegen Rom vor.‹
›Wir? – Wollen Sie denn mit mir reisen?‹
›Aber natürlich! Soeben haben Sie mich doch als Führer engagiert. Das heißt – halt – Frau Gräfin, ich habe kein Geld.‹
Da war sie wieder, diese nie gekannte lachende Stimmung, der ich entgegenreisen wollte.
›Das hat nicht Ihre Sorge zu sein,‹ erwiderte ich hastig, um nicht schon wieder den Mut zu verlieren, ›ich nehme Sie ganz einfach zum Reisemarschall.‹
›Topp, dann können wir zum Bahnhof.‹
›Aber – brauchen Sie nicht erst nach Hause?‹ fragte ich erschreckt. ›Ihre Reisevorbereitungen treffen?‹
›Menschen, die mit dem Glück segeln, sind immer reisefertig. Was ich brauche, erhalte ich überall.‹
Der Ton steckte an. Und der Mann, der ihn angeschlagen hatte, erschien meinen Augen, die so lange ins trübe Dunkel geblickt hatten, wie ein junger Sonnengott. Wir fuhren nach Neapel, wir fuhren im Wagen den Golf entlang nach Sorrent, nach Amalfi. Er lehrte mich sehen, Farben, Formen, Wunder über Wunder, und meine Seele erwachte zum Genießen. Das war das größte Wunder. Und alles dankte ich ihm, der sorglos und heiter an meiner Seite lachte und sprach, die Sagen des Altertums mit der Natur in Verbindung brachte, geschichtliche Ereignisse einfließen ließ, mich die Kunst lehrte, sich der Künste zu freuen, sich des Lebens zu freuen, und der dennoch überall der sorgende, taktvolle Reisemarschall blieb. So kamen wir nach Sizilien.
›Wenn es Ihnen recht ist, Frau Gräfin, schlagen wir in Taormina auf längere Zeit unsere Zelte auf. Dort können Sie sich auf Rom vorbereiten.‹