Glänzend weiß lagen die Felder in der Morgensonne. Der Gutsherrin, die vom Tore aus Umschau hielt, fielen ein paar Worte ein vom gestrigen Tage. »Unsere Heimat ist die schönste.« – »Weil sie die stillste ist …« – »Im Winter. Damit wir Muße haben, abzuschließen und – neu zu erschließen.«

Lohnte sich das wirklich noch? ›Das Leben fängt dann an, wenn man es packt,‹ tönte es in ihrem Ohr. Ein Manneswort.

»Hallo, Friedrich, so früh? Ihrem Herrn geht es doch gut?«

Der Mann verhielt sein Pferd. »Der Herr Oberst haben die ganze Nacht geschrieben,« sagte er bekümmert. »Kein Bett angerührt.«

»Geben Sie her, was Sie für mich haben.«

Sie nahm dem Alten den Brief aus der Hand, ließ ihn stehen und eilte ins Haus. Ein Abschied? Nun zitterten gar die Hände. Dann riß sie das Kuvert auf. Lesen mußte sie doch.

Als sie das Blatt sinken ließ, standen ihr die Augen voll Tränen. »Mein Gott,« lachte sie, »mein Gott, wie fürchterlich! Ein – Liebesgedicht.« Und unter dem Gedichte stand in markigen Zügen: »Teuerste Gräfin, ist das schön? Oder ist das scheußlich? Und doch habe ich es, bevor ich das alles in diese vertrackten Worte zwang, wunderbar schön empfunden. Muß man Strophen drechseln können, um ein Dichter zu sein? Kommen Sie hinaus, auf die verschneiten Äcker. Dort liegt Gedicht an Gedicht. Und wer Augen hat, sie zu sehen, dem gehören sie, der ist ihr Dichter! Kommen Sie, Gräfin. Es ist ein Preiswettsingen. Ich stelle mich.«

Sie öffnete das Fenster, daß es klirrte.

»Johann, meinen Fuchs!«

Sie zog den Reitrock über und drückte den Hut auf die Flechten. Und noch einmal las sie die stolpernden Verse. »Nein,« lachte sie, »dafür lieben dich die Götter nicht. Aber die Menschen müssen dich lieben.«