Er lachte in sich hinein. Und plötzlich, bevor sie die Tür schließen konnte, stand er neben ihr.
»Ich versprach Ihnen meinen Dank –«
Nichts hörte sie mehr. Nur seinen Mund fühlte sie auf ihren Lippen. Bevor sie schreien, bevor sie aufatmen konnte, war die Tür im Schloß. Und als sie mit wildem Herzschlag weiterschritt, krampfhaft suchend, was auf der Stelle tun, kam ihr nur immer der eine Gedanke: ›Gut, daß er nicht gemerkt hat, daß ich nur dies eine Zimmer habe. Dies und die Kammer der alten Francesca. Und daß ich nun wie eine Magd auf dem Fußboden schlafen muß …‹
Aber sie schlief nicht. Sie horchte nur immer hinüber nach ihrem Zimmer, mit finsterem Gesicht. Und dann ertappte sie sich, wie sie lachte.
»Pirat, der! – Wenn ich ein Mann wär’!« –
Die Capresen hatten schon in aller Morgenfrühe das Haus verlassen. Der Lohn war ihnen vorherbezahlt samt Trinkgeld. Da hielt sie nichts, ohne Addio heimzusegeln.
Giuditta wartete vergebens, daß ihr Gast sich erheben möchte. Sie hatte der alten Francesca Bescheid gegeben, und die Alte war spornstreichs aus den Federn geschlüpft.
»Weshalb hast du mich nicht geweckt? Madonna, welch ein ungezogener Engel! Und die eigne Kammer? Was? Mein Prinzeßchen hat im Saal geschlafen? Auf der blanken Diele? Warte, ich treibe den Unhold hinaus.«
»Höre, Francesca, ich glaube, er ist krank. Er muß sich bei dem Unwetter erkältet haben.«
»So soll er sich eine Kutsche nehmen, bis er die Eisenbahn hat, und nach Neapel reisen. Hier ist keine Herberge.«