»Aha – Piratenblut. Damit kann ich auch aufwarten.«
»Erzählen Sie, Herr Enrico.« Sie rückte den Stuhl näher an den Tisch und stützte das Kinn in die Hände.
»Was denn? Einen Schuß Banditenblut haben wir alle in den Adern. Das ist wie Heimweh. Na, und ich? Ich fand auf unserm Schloß –«
»Schloß –?«
»Keine Angst. Es bricht bald zusammen. Unter der Last der Hypotheken nämlich. Also auf diesem unserm Schloß an der Ostsee, hoch droben im Norden, las ich in alten Urkunden, daß meine Vorfahren gar wacker als Piraten zur See gefahren waren, wie der Blitz bald hier, bald dort einschlagend. Es war eine erlauchte Gesellschaft. Die Blüte des Adels, selbst Herzöge und Fürsten darunter. Man nannte sie die ›Vitalienbrüder‹. Nachher wurde eine Banditenbande daraus, welche die Küsten von Freund und Feind brandschatzte und nur den eigenen Magen kannte. Hoho, mein Fräulein, aufzuwarten! Ich habe die Ehre!«
Die Arme aufgestützt, den Kopf in den Händen, saß sie und sah ihm auf die Lippen.
»Das ist wie ein verwandtes Blut,« sagte sie langsam.
»Richtig. Normannen und Sarazenen, wer kennt sich da aus! Sizilien und die ganze italienische Küste – überall Spuren gemeinsamer Tätigkeit. Normannen und Sarazenen. Sarazenen und Normannen.«
»Und Sie, Herr Enrico – sind Sie ein Seeheld?«
»Ich bin der arme Heinrich, der ein Mädchen sucht.«