Er stand auf, rasch, elastisch. Und sie wie er. Dicht voreinander standen sie und maßen sich. Blaß, mit glühenden Augen. Und langsam rötete sich bei beiden die Stirn, weil einer des andern zitterndes Lächeln sah. Da umschlangen sie sich und ließen sich nicht aus den Armen. –

Die Leute von Positano zischelten, wenn die beiden vorübergingen. Aber der deutsche Herr hatte eine so absonderliche Art, um sich zu blicken. Da ließen sie es. »Giuditta Africana,« sagten sie achselzuckend.

Aber Giuditta mochte die Menschen nicht, wenn sie sie auch übersah. So groß und gewaltig wuchs sie in ihrer Liebe, daß es in ihr nach der Einsamkeit der Großen verlangte. Und ihr Blick schweifte wieder und wieder zu den einsamen Galli-Inseln und heftete sich an den Sarazenenturm.

Es kam kein Winter in diesem Jahr. Im Dezember reiften die Orangen in den Gärten. Im Januar begann das Rosenblühen. Blau spannte sich der Himmel über das blaue Meer. Und die warme Luft war voll von Düften.

Giuditta stand in ihrem weißen Kleide, Korallen um den mattglänzenden Hals und zu beiden Seiten des schweren dunklen Haares. In ihren Augen war die Freude.

»Sag dem Haus ein Addio, Enrico. Wir beziehen unsere Sommervilla!«

»Willst du mich entführen? Gleich ist es Nacht.«

»Fürchtest du dich?«

»Mit dir in die Hölle oder ins Paradies.« Und er legte die Arme um ihren Leib und küßte sie, als sei es das erste Mal.

»Ins Paradies! Komm!« Und endlich entwand sie sich seiner Unersättlichkeit.