»Mein Mädchen bist du! Aber her nur mit deiner Medizin.« Und sie jubelten über die See.
Alle zwei, drei Tage, wenn es Abend wurde, kam ein Boot zu ihnen herüber und brachte Trinkwasser und die wenige Ware, deren sie benötigten. Die alte Francesca schwatzte mit dem Mann, nachdem sie ihm für die Fahrt eine Silberlira gezahlt. »Es ist ein ›Afrikaner‹,« sagte Giuditta, »aus der Sippe der Francesca. Er tut es gern.«
Während die Alte in den Morgenstunden das Hauswesen besorgte, sprang das junge Paar von geschützter Stelle in die See, schwamm spielerisch hinaus oder rund um die kleine Insel. Nachher lagen sie in der Sonne. Wurde es heißer, so suchten sie den Schatten der Bäume oder die runden Höhlen, die das Meer in den Fels gewaschen. Von hier aus warfen sie die Angel, meist aber träumten sie Schulter an Schulter, glücklich, daß sie ihr Beisammensein fühlten, und merkten nicht, wenn ein Fisch an den Köder ging. Und in dem seligen Nichtstun erstarkte der Mann, seine Brust war gesundet, und zuweilen schon blitzte es wie Tatendrang aus seinen Augen. Giuditta aber dachte an nichts als an die Stunde, die um sie war.
»Du gehörst mir, Enrico.«
»Du hast mir das Leben doppelt geschenkt, mit dem Glück die Gesundung.«
»Wenn ich mein Ohr auf deine Brust lege, höre ich nichts mehr von eifernden Stimmen.«
»Tust du das?«
»Jede Nacht.«
Und immer schöner wurde der Frühling, und immer stärker entfaltete sich das Leben. Wenn sie auf der überragenden Steinplatte saßen und über das Meer blickten, sahen sie die Dampfer, die den Strom der Fremden nach Messina und Palermo führten, die großen Segler, die von der afrikanischen Küste nach Neapel und Livorno strebten. Oft war die Ferne erfüllt von kleinen Booten, welche die Frühjahrsgäste Capris bis nach Sorrent spazieren fuhren. Und die Fischerflottillen aller kleinen Küstenstädte der Runde standen am Horizont wie lange schwarze Striche, umglitzert von der Sonne, die sich in den weißen und roten Segeln fing. Heimlich dehnte der Deutsche die Arme. Die Kraft wurde überschüssig. Einmal sie wieder erproben, einmal nur …
Neben ihm, die Hände unter dem Haarknoten verschränkt, lag Giuditta, mit großen Augen in die Sonne blickend. Er sah das ruhige Atmen des schlanken, frauenhaften Körpers. Er sah das stille Lächeln des Glücks um ihren Mund. Und er ließ die sich dehnenden Arme leise sinken.