»Was tust du?« fragte er und öffnete schlaftrunken die Augen.
»Ich küsse dein Herz.«
Und er hob die Arme zu ihrem Halse und entschlummerte aufs neue.
Giuditta saß unbeweglich. Ihr Auge grüßte den blauen, sternenbesäten Himmel und das blaue, schweigende Meer. Es grüßte die Küste und die schattenhaften Türme, die Zeichen alter Sarazenenherrlichkeit. Die Hand senkte sich in ihr Kleid und tastete nach dem Herzen des Schläfers. Dann beugte sie sich rasch vor, preßte die Lippen auf den Mund des Geliebten und stieß ihr Stilett tief in sein Herz.
Der Mann gab keinen Laut. Im Todesschlaf lächelnd lag er vor ihr.
»Giuditta Africana,« flüsterte sie. Und sie erhob sich und ging leisen, schnellen Schrittes den Felspfad zur anderen Seite hinab, wo ihre Barke auf dem Strande lag. Leise löste sie die lange Kette, legte sie, um das Klirren zu hindern, um die Schultern und stieg wieder hinan. Vor dem Toten kniete sie nieder.
»Du gehörst mir! Wir bleiben zusammen.«
Schwere Steine befestigte sie an der Kette. Sie schlang sie fest um den Toten und sich und verhakte sie. Da vernahm sie das Heranhasten der alten Francesca.
Sie umklammerte das blasse Haupt des Geliebten. »Komm,« sagte sie, »wir sind Könige –«
Mit aller Kraft hielt sie die Füße gegen die Steinplatte gestemmt. Es klirrte und klang. Dann war die Steinplatte leer. Unten seufzte das Meer auf wie unter einer allzuschweren Last, die es nicht zu halten vermochte. Die alte Dienerin, die sich mit wildverstörten Augen über den Felssturz beugte, sah nur noch die seltsam grünen Flecke des Meeres, die im Mondlicht stille, weite Ringe zogen …