In der Nacht kam sie zu mir, kalt und überlegen. ›Du quälst dich umsonst, mein Lieber, aus einem unschuldigen Flirt eine Haupt- und Staatsaktion zu konstruieren. Ich könnte deinen verehrten Herrn Kollegen vor Gericht fordern, wenn mir an einem Skandal läge. Ich habe Zeugen, er nicht.‹

›Ich werde deinen Hauptzeugen morgen von Angesicht zu Angesicht sehen.‹

›Ach – du denkst wohl gar an eine Herausforderung? Du wirst gegen Windmühlen fechten.‹

›Das wird sich finden. Hast du sonst noch einen Wunsch?‹

›Den, mich nicht lächerlich gemacht zu sehen. Der Assessor, dessen Namen du vorhin genannt hast, wird dir sein Ehrenwort geben, daß er mich nicht mit der Spitze des Fingers berührt hat.‹

›Woher weißt du das?‹

›Weil es die Wahrheit ist! Nur, weil du mich stets allein in die Gesellschaften entließest, durfte sich der Klatsch an mich wagen. Du trägst die Schuld, du allein!‹

Alles in mir schrie auf gegen diese gehässige Umkehrung der Dinge. Es zuckte mir wie ein Krampf in den Fingern. – Aber da sah ich eine Frau vor mir. Die anerzogene Ritterlichkeit siegte.

›Reise,‹ sagte ich, ›so können wir nicht mehr miteinander leben. Zeige mir, daß ich im Unrecht bin. Ich will es uns beiden wünschen.‹

›Du kommst mir zuvor,‹ entgegnete sie. ›Ich werde morgen abreisen und irgendwo an der Riviera diese Attacke auf meine Nerven kurieren. Bis du selber zu mir kommst.‹«