Er stand auf und blickte in die Stille der Nacht. Kein Laut um sie her. Nur der schwere Schritt des diensttuenden Offiziers über ihnen.
»Nun bin ich auf dem Wege,« sagte er dann …
Ein Schatten fiel über ihn hin. Jetzt wird sie sich still entfernen, dachte er. Aber er spürte eine Hand in der seinen.
»Ich wünsche Ihnen – von Herzen – Glück auf den Weg …«
»Was für ein Glück? Sie wissen ja nicht, um was es sich für mich handelt. Ich bin auf dem Wege, mir meine Ruhe wiederzuholen. Mehr habe ich nicht zu verlangen.«
»Sie wollen Ihre Ruhe – von der Frau verlangen, von der Sie mir sprachen?«
»Ja, das will ich. Ich will wieder arbeiten können, wieder Hoffnungen haben dürfen. Denn das ist alles hin. Alle Frische, alle Zuversicht. Meine Gedanken laufen im Kreis, und sie ist der Mittelpunkt. O, staunen Sie nicht. So jämmerlich bin ich, bei aller meiner Naivität den Frauen gegenüber, doch nicht geworden, daß ich mich mit aller Gewalt an das Schürzenband anklammere, das einmal mein war. Nein, ich will nur wissen, daß es nicht mehr mein ist! Ich will das ehrliche Bewußtsein haben, mich keiner unritterlichen Handlung schuldig bekennen zu müssen, vor allem nicht der gegenüber, die dieses Bewußtsein, das unter Gleichwertigen als Stärke gilt, als meine Schwäche auffaßt und damit rechnet. Und dann – dann will ich wieder frei aufatmen und von neuem beginnen.«
»Wie wollen Sie das von der Frau verlangen …«
»Es sind jetzt drei Monate,« sagte er leise, »daß sie an der Riviera weilt. Zweimal erhielt ich eine Korrespondenzkarte als Quittung für die übersandten Monatsbeträge. Das drittemal nicht. Ich hätte sofort durch Deutschland und die Schweiz reisen können und wäre schneller am Platz gewesen. Aber die Meerfahrt klärt uns ab und vertieft unsere Gedanken. Darum gab ich mir selbst, als letzte Frist, diese Bedenkzeit auf, diese Zeit des Bedenkens. Mehr kann ein Mensch nicht an sich selber tun.«
»Nein, mein Freund.«