»Ich werde kommen und sehen. Finde ich, was ich erwarte, daß sie mit der Elastizität ihrer Natur in diesen Dingen über das Vergangene zur Tagesordnung übergegangen ist und unbekümmert um den schwerfälligen Narren im Norden die schöne, leichtlebige Dame weiterspielt, so werde ich ihr, selbst gegen ihren Willen, die Freiheit zu allen ihren Abenteuern verschaffen. – Miß Turnbull, das ist ein altes Lied. Nur für den, der plötzlich zum Mitsingen kommandiert wurde, erhält es mit einem Mal den Reiz der Neuheit. Als ob es nie im Leben zuvor erklungen wäre. Verzeihen Sie, aber die alltäglichsten Schmerzen kommen dem Betroffenen immer als unerhörte und nie dagewesene vor. Menschliche Eitelkeit, Miß Turnbull. Als Historiker sollte ich eine größere Weltanschauung haben – ich habe auch bei der Philosophie eine Anleihe zu machen versucht –; aber wir setzen uns schneller über ein ganzes Schlachtfeld voll Leichen hinweg als über einen einzigen Mord.«

Sie faßte seine Hand. »Ich sage nur nochmals: Glück auf den Weg! Jedes weitere Wort wäre leer. Glück auf den Weg!«

Er spürte den festen Druck ihrer Hand, und es tat ihm wohl, daß sie keine mitleidsvollen Worte suchte. Da stand ein Mensch, der hatte den Glauben an seinen Weg.

»Liebe Freundin …«, sagte er, als sie schieden.

Das Schiff fuhr dicht unter Land, die französische Riviera entlang, und weiter, immer weiter an der in goldener Morgensonne erstrahlenden italienischen Schwesterriviera vorbei. Staunend und stumm standen die Passagiere vor der Gottesherrlichkeit der Natur. Dort, nur dort konnte das Menschenglück zu Hause sein …

Um zehn Uhr tauchten die Bergterrassen Genuas auf, wie ein schneeweißer Traum aus blauem Meer. Der Lotsendampfer brauste heran. Eine alte verwitterte Gestalt übernahm neben dem Kapitän das Kommando. Langsam und majestätisch fuhr das Schiff in den Hafen Frederico Guilelmo.

»Leben Sie wohl, Miß Turnbull. Ich sagte am liebsten: Auf Wiedersehen.«

»So sagen Sie es.«

»Wohin werden Sie sich wenden?«

»Zum Lago di Como. Ich werde auf Wochen in Bellagio Quartier nehmen, in der Villa Serbelloni.«