Er ließ sich neben ihr auf die Bank nieder, nahm seinen Hut ab und strich sich mechanisch über die Stirn. Da berührte sie leise seine Hand. »Lieber Freund …«
»Ja, ja, ja – hier ist die Ruhe.«
»Wissen Sie noch, was ich Ihnen einstmals erzählte? Daß ich in die Welt gegangen sei, weil ich daheim nichts mehr zu sorgen fand? Ich muß immer eine liebe Sorge haben, lieber Freund.«
Er blickte sie an, unbeweglich, ohne ein Wort zu erwidern.
»Ich glaube – ich habe sie gefunden.«
Wie wohl das tat – diese Ruhe … Als Knabe war er einmal aufgewacht, nach langem, schwerem Fieber. Da saß die Mutter an seinem Bett, und ihre kühle Hand lag auf seiner Stirn. Es war so still um ihn her, daß er die Fliegen summen hörte, die sich im weit geöffneten Fenster in der Sonne badeten. Aus dem Garten zog der Duft einer Sommerrose herein. Und durch sein Blut zog die Gesundung … Damals hatte er der Mutter seine wilden Fieberträume erzählt. Und ihre kühle Hand hatte sie alle von seiner Stirn weggenommen. Daran dachte er jetzt, und er begann zu sprechen.
»Ich war in Nizza – und man wies mich nach Mentone. Ich war in Mentone – und man wies mich nach Nervi. Und von dort nach Como. So bin ich zu Ihnen gekommen. Auf der Fahrt nach dem Glück.«
»Die Ruhe – –« sagte sie, und ihr Blick ging über den See zu den stillen Bergen.
»Ja, die Ruhe! Jetzt will ich sie haben! Weshalb ich allein nicht? Nur, weil diese Frau es nicht will? Mag sie ihre Marionetten am Drahte ziehen. Ich scheide aus dem Spiel aus.«
»Sie sollten jetzt hier bleiben.«