»Ja, das will ich.«
»Wir werden den Lario befahren und durch die stillen Gärten wandern. Die Azalien sind wie eine rote und weiße Flut, und die Blüten der Magnolienbäume brechen auf. Oft ist es, als ob die Berge ringsum ein Zaubereiland behüteten. Man möchte wie Kinder sein und sich Märchen erzählen. Man kann ja gar nicht anders.«
»Das können …«
»Sie müssen nicht zweifeln. Wenn Sie es wieder gelernt haben, werden Sie nicht wissen, daß Sie es je verlernt hatten. Das ist das Schönste im Leben. Es gibt Wunden – und es gibt Heilkräuter. Kommen Sie!«
Er bot ihr den Arm, und sie gingen durch den waldigen Park, der wie ein stillatmendes Schweigen war. Und am Nachmittag, als die Sonne im Westen stand, nahmen sie ein Boot und fuhren in den Leccoarm und zum Park der Villa Giulia, dessen schwere Blütentrauben über die Mauer bis ins Wasser hingen, als könnten sie sich nicht satt sehen an der eigenen Schönheit. Und am nächsten Vormittag trug sie das Boot hinüber nach Cadenabbia, und sie besuchten den Wunderpark der Villa Carlotta, die die Königin des Lario heißt und in köstlich kühler Kamelienpracht schwelgt. Und wieder am Nachmittag wanderten sie die schattenspendende Platanenallee entlang, die von Bellagio aus in den Zedern- und Agavenpark der Villa Melzi führt. Gärten um sie her. Und jeder Schritt war ein Ausruhen.
Sie sah, wie er auflebte in diesem Gottesfrieden. Und sie sprach mit ihm von den Blumen, Sträuchern und Bäumen, die sie in Urwaldspracht kannte von ihren Reisen im Süden und im fernen Osten. Indien grüßte herüber und das märchenhafte Japan. Und dann begann er von der Geschichte der Länder zu reden, die sich aus ihrem Boden entwickelt.
»In acht Tagen,« sagte er, »geht mein Urlaub zu Ende. Aber ich komme wieder, zum Herbst. Werde ich Sie dann noch finden?«
»Ich werde Sie hier begrüßen.«
Als die Woche zu Ende war, bat er sie, in der Frühe mit ihm hinüberzufahren nach Varenna. Dort, im Rücken des Städtchens, das seine ragenden Zypressen bis hart an den See vorschiebt, hebt sich eine steile Bergkuppe. Auf ihr ein trotziger Turm, von zersplittertem Mauerwerk umkränzt.
»Soll ich den Namen des Kastells erfragen?«