»Mein Fräulein, Ihr Sachwalter wird Ihnen gesagt haben, wie – leider – die Dinge hier liegen.«
»Ich werde mich als Gesellschafterin vermieten müssen.«
»Dazu – meine Jahre erlauben mir wohl, davon zu sprechen – dazu dürften Sie zu hübsch sein. Und um traurige Erfahrungen zu machen, dazu ist Ihre Jugend nicht da und mir das Andenken meines Freundes zu wert. Wie alt sind Sie jetzt, mein Fräulein?«
»Zwanzig Jahre,« sagte sie ohne Anteilnahme.
»Hm – ich zähle fünfzig. Das ist ein beträchtlicher Unterschied. Aber ich bin allein, lebe in wohlgeordneten Verhältnissen in einem angenehm liegenden Hause, nehme eine angesehene, pensionsberechtigte Stellung ein und pflege mich wenig um laute Geselligkeit zu kümmern. Wollen Sie sich das einmal überlegen?«
»Was hilft mir das?« meinte sie und schloß die Augen.
»Mein Fräulein, gestern erst ist Ihr Herr Vater beerdigt worden. Da ziemt es sich wohl nicht, angesichts des frischen Grabes vom Leben zu reden. Und doch – die Umstände entscheiden. Ihnen ist die Heimat genommen worden und die Möglichkeit, sich eine neue zu gründen. Ich biete Ihnen eine neue. Nicht aus leidenschaftlicher Übereilung heraus – Leidenschaft wäre heute nicht am Platz –, sondern einer starken Sympathie wegen, die Sie mir einflößen. Meine Studien und mein auf das Sinnende gerichtete Temperament gestatten mir nicht, Ihnen übermäßig lästig zu fallen. Es wird eine wohltemperierte Freundlichkeit und Behaglichkeit zwischen uns walten. Keiner wird den anderen in seiner stillen Beschaulichkeit stören.«
»Sie wollen mich – heiraten?«
»Erscheint es Ihnen nicht lockender, im Hause eines Ihnen väterlich zugetanen Freundes frei als Gattin zu schalten, statt in fremden Häusern sich unter Launen zu demütigen, immer das Bündel in der Hand?«
»Bleibt mir denn nichts? Gar nichts?«