Und sie nickte und dachte, während sie ruhelos durch das Haus schritt, an den fürstlichen Erbauer, und ob er der die Arme öffnenden Frau auch Raritäten aus seinen vergilbten und verstaubten Sammlungen gebracht oder den Pulsschlag des Lebens …

Einmal nur, einmal nur einen Gruß erhalten aus dem Liebesjauchzen der Welt! Wie ein Geschenk würde sie ihn bewahren, ihn mit warmen Händen umhüllen wie ein heimliches Licht, wenn auf der Tischplatte die schwarzen Bilder raschelten, und das Haus mit seinem Glanz erfüllen, wäre sie allein und – nicht mehr allein.

Und die Jahre reihten sich aneinander.

Die Stimme des Lebens, die eilig durch die Hauptstraße der Stadt zum Schlosse fuhr und eilig zurück, fand den Weg nicht zu dem vergessenen Häuschen des Rokoko. So angstvoll die Jugend in Frau Maria auch aufhorchte, immer war es nur das eigene Blut, dessen wehes Weinen sie vernahm. Es kam keine Antwort von draußen.

Die Zeiten des Rokoko waren dahin. Die Tugend schlurfte auf lautlosen Socken von Haus zu Haus und äugte durch die Schlüssellöcher. Und die unkundige Frau Hofrat, die vor Jahren einen Ballabend lang einen Verehrer von der Leibkompanie gehabt hatte, lächelte noch immer mit rotgeweinten Augen.

Da wurde Frau Maria so müde, daß ihr das Wispern des Taxus und der Platanen, das Duften des Schloßparks Schmerzen bereitete. Und ihr Wunsch an das Leben wurde immer kleiner, scheuer und bescheidener, der Dornröschenschlaf gewann immer leichtere Arbeit.

»Rate, Maria, was ich dir heute bringe?«

»Einen Kupfer,« sagte sie, »wenn es hoch kommt: eine Radierung.«

»Das wäre mir auch lieber. Die Arbeit wächst und wächst, und jede Art Ferien sind mir ein Greuel.«

»Willst du Ferien machen?« fragte sie, und ihr Atem ging auf einmal schneller.