»Sie scherzen, gnädige Frau. So etwas vergißt sich nicht. Ich habe ja nicht einmal vergessen, daß ich sein Schüler war. Und ich habe ihn weidlich bestohlen. Ja, ja, schauen Sie nur so erschreckt. Bestohlen um seine frohe Lebensanschauung, seine Begeisterung und nicht zuletzt um den Drang, die Welt zu durchqueren, Länder und Meere zu durchforschen wie er. Ach, Sie hätten ihn im Kolleg und auf Spaziergängen schwärmen hören sollen.«

»Sie wollen eine Forschungsreise unternehmen?«

»Ich habe mich auf drei Jahre einer Expedition durch Zentralasien verpflichtet. Eine ebenso lange Reise durch Afrika liegt hinter mir. Morgen um diese Zeit führt mich der Schnellzug nach Genua. Dort geht’s zu Schiff.«

»Sie Glücklicher« – –

»Und Sie, gnädige Frau? Treibt es Sie nicht auch zuweilen, als müßten Sie auf Forschungsfahrten hinaus?«

»Ich streife täglich durch mein Haus, vom Keller bis zum Söller.«

Er sah sie an. »Da ist nicht das Leben.«

»Nein, da ist es nicht.«

Sie spielte stumm mit den Brotkügelchen auf der damastenen Tischdecke, und er drehte den Fuß seines Weinrömers hin und her. Dann suchte er ihren Blick. Der ruhte auf einem ältlichen, glattrasierten Herrn in altmodischem Frack.

»Ihr Herr Gemahl?« fragte er und beugte sich kaum merkbar zu ihr.