»Ich? O nein. Ich würde in dieser Trostlosigkeit dankbarer sein. Selbst für eine kurze Erinnerung.«

Nun sah er sie mit offenem Staunen an. Ihre Schönheit hatte etwas Schmerzendes. Das rief den Mann in ihm auf, den Ritter der Hilfsbedürftigen und Bedrängten.

»Gnädige Frau, ich war der Schüler Ihres Herrn Vaters, in der Wissenschaft und in der Lebenskunst. Gestatten Sie mir, daß ich die tiefe Freundschaft, die ich für ihn empfand, und die durch seinen Tod vakant geworden ist, Ihnen, seiner Tochter, zur Verfügung stelle?«

Seine hellen Augen blitzten sie an. Unwillkürlich reckte sie ihren schlanken Körper, als ginge ein Lebensstrom hindurch. Dann nahm sie seine Hand. »Ich will es Ihnen gedenken, wenn Sie draußen, in der Wildnis sind.«

»Und ich will aus meiner Wildnis heraus an Sie in Ihrer Einöde denken. Das wird uns beiden gut tun.«

»Ja,« sagte sie und gab seinen Händedruck zurück. – –

Hatte sie ein Erlebnis gehabt? War doch der Gruß des Lebens zu ihr geflattert, und sie hielt ihn in bebenden Händen? Sie sann im Dunkel ihres Schlafzimmers vor sich hin, mit ganz feinfühligen, feinhörigen Sinnen. Draußen raunten die Platanen und wisperte der Taxus. Von dem ausgelassenen Fürstenliebchen? Von der stillen Maria, die zum ersten Male in ihrer Schlafkammer leise gelacht? –

Sie hatte einen Freund, an den sie denken durfte. Sie war nicht mehr allein. Den Altersgeruch der Kupferstiche würde sein frischer Odem aus der Ferne wegwehen. – –

»Das Bankett, meine liebe Maria, ist mir nicht günstig bekommen. Auch du siehst nicht aus wie sonst. Doch nicht Fieber?«

Sie lächelte, daß er ihre Jugend für Fieber nahm.