»Ich dich aufgeben? Wo ich jetzt immer bei dir sein werde? Nun kannst du mich ja gar nicht mehr verlassen, und ich dich nicht. Während du die Welt durchquerst und im rauschenden Leben stehst, sitze ich hier in meinem kleinen, weißen Rokokohaus und träume von meinem fahrenden Ritter, der mir Welt und Leben hereinholt. Ich brauche dich nur zu rufen, ganz unhörbar, und du bist bei mir, und meine Kammer ist voll Sonne und frischem Lebensduft. Und wenn ich mich um dich ängstige, mache ich mich in Gedanken auf und nehme teil an deinen Gefahren und deinen Siegen. Und an deiner Freude, die nun die meine ist.«
»Ich werde lange fortbleiben« …
»Was tut das? Es gibt für mich keine Zeit mehr.«
»Und wenn ich dich noch immer unfrei wiederfinde?«
Sie schüttelte den Kopf. »Selbst wenn du unfrei würdest, ich würde es gar nicht bedenken. Ich würde trotzdem Tag und Nacht mit dir wandern, mit meiner Liebe und mit meiner Sorge. Und mein Haus würde immer voll von dir sein.«
Er preßte sie an sich und küßte sie auf Lippen und Haar.
»O du Träumerin, du wirst meine Sehnsucht nach der Stille sein.«
Und sie schlang ihre Arme um seinen Hals und küßte ihn wieder. »Ich habe dich ja so lieb. Ich habe in dir ja das Leben so lieb.« … – – –
Und Herbst kam und Winter. Und wieder der Frühling, wieder der Sommer. Frau Maria merkte es nicht. Sie merkte nicht die Dumpfheit der kleinen Residenz und nicht die Einsamkeit des kleinen, weißen Hauses. Sie merkte nicht die Langeweile der Kunstblattbetrachtungen und nicht den Altersduft, der aus den Blättern stieg, die dem emsig forschenden Gatten das Leben bedeuteten. Mit leuchtenden Augen ging sie umher, mit horchenden Ohren blieb sie stehen, sie lachte, sie sang, mit geschäftiger Seele von früh bis spät. Sie war nicht in der Einsamkeit, sie war in der brausenden Welt, die seiner seligen Kraft bewußt werden läßt den, der sie überwindet. Denn ihre Seele schwang sich hoch über Stadt und Land und tauschte mit dem Leben Grüße. Mit dem Leben, von dem sie geküßt worden war und in dem einen berauschenden Kuß stark gemacht, es zu ertragen. – – –