»Sie haben recht geraten,« erwiderte sie, seine Namensnennung mit einer Kopfneigung entgegennehmend. »Ich befinde mich nur vorübergehend in Florenz.«

»Und wird es Ihnen nicht schwer werden, diese herrliche Stätte wieder zu verlassen? Ich,« fuhr er mit jugendlicher Begeisterung fort, »bin wie berauscht von den Wundern der Stadt. Diese verschwenderische Fülle von Baudenkmälern, von Palästen und Kirchen, von meisterlichen Bildhauerwerken und Gemälden! Ich meine oft, ich könnte mich nicht mehr losreißen.«

»Sie sind Maler?« fragte sie und sah mit Vergnügen auf sein glühendes Gesicht.

»Nein, gnädige Frau, ich bin Baumeister. Aber gerade der Baumeister soll ja Sinn für alles Schöne haben, denn er soll alles Schöne in der Architektur, der Plastik und der Malerei zu einem harmonischen Ganzen verbinden. Der Baumeister ist der berufene Vermittler in der Kunst.«

»Wenn er selbst ein Künstler ist.«

»Das muß er sein, oder er ist kein Baumeister, sondern ein Bauhandlanger. Der Meister darf von der Form den Inhalt nicht trennen.«

»Sie nehmen trotz Ihrer Jugend Ihren Beruf sehr ernst. Sie müssen einen trefflichen Lehrer gehabt haben.«

»Meine Mutter, gnädige Frau.«

Er sagte die wenigen Worte mit so tiefem Gefühl, daß es sie durchzuckte.

»Ihre Frau Mutter,« meinte sie leise, »muß sehr glücklich sein.«