»Meine drei Söhne,« sagte der Professor mit feuchtgewordenem Auge, »haben mich verlassen und sich selbständig gemacht mit meinen besten Gaben. Wenn ich auch stolz auf sie bin — das Verlassenwerden tut weh. Nun aber hab’ ich einen neuen Sohn, der treu bleiben wird.«
Martin Opterberg schritt über die Straße. Er ging zum Gasthof, um sich umzukleiden, und hatte versprochen, in einer Stunde zurück zu sein. Die Sinne liefen ihm wirr durcheinander, und er fand den Faden nicht. Nur einen wildsüßen Duft spürte er auf den Lippen, an den Händen.
»Dies heiße Mädchen also,« sagte er mit einem tiefen Atemzug. »Es sei. Ich hab’ die weichen Arme so nötig nach der harten Fron.« Und mit einem Willensentschluß trat er in das Postamt ein und gab eine dringende Drahtung an Christoph Attermann auf.
Christoph Attermann traf schon am Mittag mit dem Schnellzug ein. Die Brüder standen Hand in Hand, und beider Hände waren hart geworden. Sie sahen sich in die Augen, und keiner fragte nach der vierjährigen Trennung den anderen nach dem Ergehen.
»Mußte es sein, Martin?«
»Ich denk’, es ist recht so.«
»Ich bin nicht du, und du bist nicht ich. Wenn du sie für die Rechte hältst, wünsch’ ich dir Glück und Frieden.«
»Ende der Woche wollen wir die Mutter überraschen. Es kam mir ja selbst überraschend, Christoph, denn gar so schnell hatte ich mich noch nicht hergeben wollen. Doch das ist nun so mit der Liebe,« lächelte er ins Weite. »Sobald die Sabine ihre Reisekleider hergerichtet hat, fahren wir auf den Opterberghof. Willst du sie begrüßen?«
»Wenn sie nichts von meinem Kommen weiß, möcht’ ich, wie sich’s gebührt, der Mutter den Vorrang lassen.«
»Gut. Und du willst schon am Nachmittag zurück?«