»Ich hab’ noch im Badischen zu tun.«

Am späten Abend verließ Christoph Attermann auf einer kleinen Schwarzwaldhaltestelle den Zug. Er stieg durch den harzduftenden Tannenforst bergan und fand den weißen Bau der Kinderheilstätte. Auf sein Befragen führte man ihn zum Wohnzimmer der Ärztin Dr. Therese Baumgart.

Im frischen weißen Kittel stand Therese Baumgart, schlank und geruhig, und in ihrer braunen Haarkrone spielten die Abendlichter. Jetzt aber schrak sie auf. Sie hatte den Besucher erkannt. »Herrgott, Christoph, was führt dich so jäh daher?«

»Verzeih mir, Theresel, daß ich dich erschreckt hab’. Aber ich mußt’ zu dir und dich fragen.«

»Was fragen, Christoph, das gar so wichtig wär’?«

»Ob du nicht meine Frau sein möchtest, Theresel? Oder es werden könnt’st, wenn du — frei bist?«

Sie stand regungslos und schaute ihn an.

»Ich bin frei, Christoph. Der, den du meinst, ist überstanden. Nicht, als ob ich ihm die Freundestreue gebrochen hätt’. Ich vermöcht’ noch heut’ für ihn zu sterben, aber gemeinsam leben mit ihm, das könnt’ ich nicht mehr. So armselig verlassen bin ich mir vorgekommen vor mir selber.«

»War ein bindend Wort zwischen euch?«

»Nein, Christoph, und es trifft ihn kein Vorwurf. Ein Gutenachtkuß einmal auf dem Herzogenhorn und ein Abschiedskuß nach einer traumhaft schönen Feldbergfahrt auf Schneeschuhen durch den Neuschnee, als er zum anderen Morgen von Freiburg auf immer schied — und von mir.«