»Theresel, du hast einmal gesagt, ich sei auch von Frau Christianes Blut. Vertraust du dich mir an? Ich hab’ keine großen Schätze, aber ich hab’ viel Dankbarkeit.«
Therese Baumgart reichte ihm die Hände.
»Ich wußt’ ja, Christoph, daß du mich einmal holen kommen würdest. Und das schuf mir so viel frohe Ruh’.«
Als am nächsten Morgen Christoph Attermann aus dem Städtchen zu ihr wiederkehrte, brachte er ihr die feingestochenen Verlobungskarten. »Ich fand einen Lithographen vor und ließ gleich ein paar Dutzend herrichten. Eine ist schon fort an Frau Christiane, eine ans Lindele und eine an Martin.«
»Was treibt dich denn nur plötzlich so,« fragte sie, »du lieber Mann?«
›Nun ist sie Braut vor der anderen‹, dachte Christoph Attermann. ›Jetzt trifft es sie nicht mehr.‹
8
Martin Opterberg hielt die schmale Karte in der Hand, die in schlichtem Steindruck die Verlobung Christoph Attermanns mit Therese Baumgart meldete. Er wandte sie um und suchte nach einem handschriftlichen Wort. Es war nichts für ihn hinzugefügt.
Und mit einem Male spürte er, wie ihm eine Blutwelle langsam in die Stirne kroch.
So beharrlich hielt er die Augen auf die Karte gerichtet, als buchstabiere er Wort für Wort. Und zwischen den Zeilen tauchten andere auf, die unsichtbar geblieben waren und jetzt zu ihm redeten. Er hörte es wohl — Christoph Attermann sprach zu ihm: »Ich habe gewartet und gewartet, Martin, weil ich glaubte, der Edelstein gehöre dir. Nun aber habe ich ihn schnell geborgen, bevor fremde Füße über ihn dahingehen.«