»Zigeunerin,« sagte er lachend und nahm sie in die Arme, »macht nur der Krönungsmantel die Königin? Trägst du den Zauber nicht in dir selbst? Schließ die Koffer ab, damit wir zur Mutter fahren können. Auch Christoph Attermann hat sich verlobt.«
»Der Attermann?« fragte sie gedehnt. »Der bei euch das Gnadenbrot aß? Was hat er sich vorzudrängen und uns den ersten Platz zu nehmen?«
»Es ißt auf dem Opterberghof keiner das Gnadenbrot, der an meiner Mutter Brust getrunken hat, Sabine.«
»Mit einem Fräulein Dr. med. Therese Baumgart,« las Sabine Barthelmeß von der Karte ab. »Ach du armes Herrgöttel, ein verstudiert Altjüngferlein ohne Saft und Salz, wie es sich für des Christophs Langweiligkeit schickt. Komm endlich in die Stube. Es ist niemand im ganzen Haus, und ich will mich schön machen wie zur Hauptprob’ und alle Kleider anziehen, die ich mitnehm’ auf die Brautfahrt.«
»Die Therese Baumgart ist eine alte Jugendfreundin, Sabine.«
»Grad darum sollst du schaun, wie eine junge Jugendfreundin ausschaut.«
»Und wenn ich dir die Gewänder zerdrück’, du Wilde?«
»So kaufst du mir neue und schönere.« — —
Da lag das weiße Opterberghaus auf dem Felsen über dem jungen Rhein. Martin Opterberg führte seine strahlende Braut über die Schwelle und in den Empfangsraum. Mitten im Zimmer stand Frau Christiane und blickte mit großen, stillforschenden Augen auf die Eintretenden.