Linde Baumgart sah ihn an, und eine mädchenhafte Röte lief ihr über die Wangen.

»Ähnlich schau’ ich gewiß aus wie das Theresel, aber gleich bin ich ihr nicht. Da gehört mehr zu, als ich vermag. Doch wenn ich recht schön bitten dürft’: nennen Sie mich Fräulein Baumgart und nicht gnädiges Fräulein. Ich bitt’ Sie recht sehr.«

»So lassen Sie mich Ihr Wohl trinken, Fräulein Baumgart, wenn Sie mir freundlichst mein Weinglas füllen möchten. In Erinnerung an Ihre Schwester, die nun eine glückliche Braut ist und eine noch glücklichere Frau werden möge.«

Sabine Barthelmeß focht die feine Zurechtrückung nicht an.

Sie rief das junge Mädchen »Lindele«, wie sie es von Frau Christiane gehört hatte, und wandte das »Du« an, als habe sie ein unsicher Backfischlein zu begönnern.

›Es ist Barthelmeßsche Kinderstube‹, dachte Frau Christiane. ›Sie suchen die Menschen zu überrumpeln, um sie unter ihre Botmäßigkeit zu bekommen.‹ Und dann gab sie sich der Freude über die Heimkehr ihres Sohnes hin und, um ihm die Stunde zu schmücken, auch dem Vergnügen an der einschmeichelnden und wortreichen Art der Sabine Barthelmeß.

Eine Flasche französischen Champagners aus Herrn Arnolds Nachlaß kam auf den Tisch. Frau Christiane schenkte ihn selbst in die Kelche. Und sie trank Glück und Heil dem Brautpaar zu, das am Tische saß, und Glück und Heil dem Brautpaar, das in der Ferne weilte. »Ich darf es als Mutter sagen: die besten Mädchen landauf und landab sind mir für die Opterbergsbuben gut genug.«

Sabine Barthelmeß leerte im Übermut ein paarmal den Spitzkelch.

Der fürstliche Champagner flößte ihr geheime Hochachtung ein, und sie wünschte darzutun, als sei sie ihn wie ihr täglich Glas Brunnenwasser bei Tisch gewöhnt. Sie äußerte keinerlei Verwunderung noch irgendeinen schönen Dank an die spendende Mutter, aber unter dem Tisch griff sie Martin Opterbergs Hand und suchte sie zu zerpressen, daß er aufschreien möge, und als Frau Christiane sich seitwärts zu Linde Baumgart neigte, um ihr eine Weisung zu geben, griff sie schnell nach seinem Kopf und küßte ihn auf die Augen.

»Sabine,« flüsterte er ihr zu, »unsere Zärtlichkeiten gehen uns allein an.«