Aber sie ließ sich nicht lehren und trieb ihr Spiel weiter, im Glauben, vor den Frauen des Opterberghofes die überlegene und leutselige junge Weltdame zu spielen.

In der Nacht fuhr Frau Christiane aus dem Schlummer. Ihre Gedanken waren so wach, als hätten sie im Schlafe weitergearbeitet.

»Nein,« sagte sie vor sich hin, »sie mag eine gute Geliebte sein, niemals aber eine rechte Frau und Gattin.«

Den Rest der Nacht verbrachte sie aufrecht in den Kissen. So hatte sie in mancher Nacht gesessen, wenn sie über einen Weg für Herrn Arnold grübelte …

Als Sabine Barthelmeß im losen Morgenkleid und das Haar in einen großen Knoten gewunden zum Frühstück erschien, kam Frau Christiane mit Linde Baumgart schon aus den Wirtschaftsgärten.

»Ausgeschlafen, Stadtkind? Schön siehst du aus, als wolltest du gleich zum Ball.«

»Ich bin in das Fähnchen geschlüpft, weil ich mit Martin baden gehen möchte. Ich kenn’ die breite ruhige Stelle im Rhein von früher her noch, und ich freu’ mich auf die Erfrischung.«

»Hast du den Martin schon begrüßt? Er wird drunten auf der Rheinbank sitzen.«

Sabine Barthelmeß hatte sich schon in den Lehnstuhl geschmiegt und sich ein Honigbrötchen gestrichen. »Gelt, Lindele, du bist so lieb und holst mir den Ausreißer.«

Linde Baumgart nickte freundlich und ging. Unterwegs lächelte sie in sich hinein. Den Ausreißer! Als ob der allzu ernst gewordene Lebensringer Martin Opterberg, dem der Gedankenadel auf der Stirne stand, so ein kleines Schätzel wär’!