Sie fand den Gesuchten, wie es Frau Christiane vorhergesagt hatte, auf der Rheinbank, reichte ihm die Hand und richtete ihm ihre Bestellung aus.

»Wollen Sie nicht mit uns kommen, Fräulein Baumgart? Der Morgen ist so schön, das Wasser gewiß köstlich, und die Mutter wird Sie nicht entbehren.«

»Das wär’ mir leid, Herr Opterberg, wenn die Mutter mich so leicht entbehren möcht’. Es gibt mehr zu schaffen als sonst. Es sind hohe Gäste im Haus.«

»Rechnen Sie mich auch zu den Gästen?« fragte Martin Opterberg. ›Die Mutter‹ hatte sie gesagt. Es war ihm nicht entgangen.

»Sie sind der Sohn des Hauses, Herr Opterberg. Aber gerad’ darum sind Sie Ihrer Frau Mutter der liebste Gast, dem sie nichts als die Händ’ unter die Füße legen möcht’, weil er gar so selten daheim ist und immer nur auf der Weiterreise.«

Jetzt hatte sie ›Ihre Frau Mutter‹ gesagt und vor dem Sohn des Hauses bescheiden den Rückzug angetreten.

»Sie sind wohl meiner Mutter eine getreue Helferin geworden?«

»Ihre Frau Mutter mir! Nein, darüber kann man nicht sprechen. Dafür kann man einen Menschen wieder nur mit dem ganzen Menschen liebhaben. Nicht nur aus Dankbarkeit.«

»Ja, sie ist schon eine Prachtfrau …«

»Viel mehr, Herr Opterberg. Sie ist die Prachtfrau. Wer das werden könnte in ihrer Schul’.«