»Meine kleine Wilde, wir sind hier in der besten Gesellschaft aus aller Welt.«

»Ja,« entgegnete sie atemlos, »hier sind wir unter vornehmen Leuten. Schau den Herrn dort, der herüberblickt. Das scheint ein englischer Lord. Aber seine Begleiterin trägt gefärbtes Haar und ist sicherlich eine Pariser Schauspielerin.« Und sie lächelte, weil die Dame lächelte.

»Ich denke, Sabine,« sagte Martin Opterberg, »wir sind auch dann unter vornehmen Leuten, wenn wir ganz allein sind.«

Sie weiß noch so wenig von der Welt, dachte er, und es wird schön sein, ihren Geist einzuführen und immer mehr zu verfeinern. Und er drängte selbst, den Hochzeitstag festzusetzen, als sie wieder auf dem Opterberghof weilten, um das Glück des Führens und Entdeckens ganz ausschöpfen zu können. Als er zu Sabine Barthelmeß davon sprach, schmiegte sie sich wie in einem Rausch in seine Arme.

»In sechs Wochen soll es sein, Sabine. Wir verzehren uns sonst. Morgen fahre ich an den Niederrhein, um alte Werftanlagen und neues Gelände zu erstehen, um die ich schon von den Vereinigten Staaten aus in Unterhandlung bin. Flußdampfer will ich bauen, die von Basel bis Rotterdam und über das Meer bis London gehen. Und später werd’ ich Reeder dazu, um alle Wirtschaftsmöglichkeiten für die Lande am Rhein aufschließen zu helfen.«

Sie streichelte ihm immerfort das Haar, während er sprach, in die Stirne hinein und wieder hinaus und summte eine verliebte Weise dazu. Da schwieg er und gab sich ihrer tändelnden Liebkosung hin, und sie merkte gar nicht, daß er nicht weiter sprach.

Später suchte er die Mutter in ihrem Geschäftszimmer auf. Frau Christiane stellte ihre Abrechnungsbücher beiseite und wies ihm den Gegenplatz am Schreibtisch. »Ich weiß, was dich zu mir führt, und hatte dich schon erwartet. Es ist alles bereit.«

»Du liest in den Hirnen und Herzen, Mutter. Unsere germanischen Voreltern würden dich als Seherin verehrt haben. Und mit Recht.«

»Mit Unrecht, Martin. Ich tu’ nichts, als mich unbeirrt dem Muttergefühl hingeben, das mich zwingt, mit dem Hirn dessen zu denken, den ich aus mir geboren hab’. Und auf den Herzschlag dessen zu lauschen, dem ich schon den ersten Herzschlag abhörte, als er noch ein Ungeborener war. Du könntest am Nordpol oder im Feuerland stecken, ich empfind’ dein Denken und Fühlen auf dem Opterberghof.«

Sie reichte ihm über die Tischplatte die Hand.