»Sie sprechen nur gebrochen deutsch, gnädige Frau? Belieben Sie eine andere Sprache?«

»Oh — meine italienische Heimat,« brachte Sabine mit einem wundervollen Augenaufschlag hervor, der die Herzen erwärmte, »aber ich verstehe sehr gut.«

Martin Opterberg stellte sie vor dem Schlafengehen zur Rede. »Weshalb lügst du die ehrenwerten Herren in meiner Gegenwart an, Sabine? Es ist nicht das erste Gaukelspiel, das mich an dir befremdet. Ich bitte dich, bei allem und jedem zu bedenken, daß du meinen Namen trägst.«

Sofort nahm sie Kampfstellung an. Ihre Augen verhärteten sich. Die Iris wurde wie stahlgeschmiedet.

»Ich verbitte mir diesen Ton, der für deine Werftplätze paßt, nicht für mich. Ich habe nicht gelogen, und ich lüge nie. Daß ich in Italien geboren bin, steht sogar auf meinem Geburtsschein zu lesen. Und ich gaukle keinem Menschen etwas vor. Ich geb’ mich, wie ich bin, und hab’ eure einstudierte Vornehmheit nicht nötig und euer Erziehungsgetu’.«

Jetzt sieht sie aus, dachte Martin Opterberg, wie als kleines Mädchen, wenn sie auf dem Opterberghof beim Naschen gefaßt worden war.

»Sabine,« sagte er, »du weißt sehr wohl, daß du nur durch einen Zufall auf italienischem Boden geboren wurdest, daß deine Mutter auf einem Spaziergang von schweizerischem auf italienisches Gebiet von der Niederkunft überrascht wurde und deine ganze italienische Heimatseligkeit aus der Wochenstube im Hospital bestand. Nach acht Tagen holte dein Vater Mutter und Säugling in einem Wägelchen zurück, auf einem Wege, der bis zum Grenzpfahl nicht mehr als zehn Minuten betrug. Und nun schlafe wohl, meine stolze italienische Frau.«

Aber der Scherz verflog bei Martin Opterberg, als er ein andermal durch eine offene Türe blickte und Zeuge wurde, wie Sabine sich hastig einem Gaste näherte und ihn küßte.

Er trat ein und fand nur noch Sabine vor.

»Was geschieht hier, Sabine?«