Der Mann, der von Amerika zurückgekehrt war, hatte geglaubt, sein unruhig Jugendblut zur Ruhe gebracht zu haben und als Ausgleich für den täglichen Arbeitstag ein starkmachendes, wie ein Jungbrunnen quellendes Eheglück beanspruchen zu können. Der Mann, der unermüdlicher als vordem über den Werftplatz am Niederrhein schritt und mit seinen Ingenieuren, Werkmeistern und Arbeitern die Vollendung seines ersten Rhein-Seedampfers betrieb, wußte längst, daß die Ruhe noch nicht Einkehr in seinem Leben halten sollte und daß es, entgegen seinem Verlangen, wohl einen Ausgleich, aber nur einen Ausgleich für die unklaren Strömungen seines Ehelebens geben würde. Und das war die Arbeit.

Die angestrengte Tätigkeit und größere Reisen, die er immer wieder ins Ausland zu unternehmen hatte, halfen ihm über die Enttäuschungsgrade seines Herzens hinweg und boten ihm den erwünschten Vorwand hinzu, die Wiederaufnahme des Verkehrs mit Christoph Attermann und den Freunden hinauszuschieben. Mehr als bisher fürchtete der Stolz seiner Männlichkeit für die Einführung seiner Frau in den alten Freundeskreisen.

Sabine Opterberg legte längst keinen Wert mehr darauf. Ihre Gedanken gehörten nur noch der eigenen Person, und die Ausdehnung ihrer Besprechungen mit den Schneiderinnen lieferte den Maßstab dazu. Es durfte keine bessergekleidete Frau geben als Sabine Opterberg, und getreu der Überlieferung des Barthelmeßschen Haushaltes wurde nach den erforderlichen Mitteln nicht gefragt. Bei guter Zeit regelte sich die Bezahlung von selbst.

Martin Opterberg zahlte die Rechnungen, die ihm die Geschäftsleute nach vergeblichen Mahnungen bei Sabine Opterberg unmittelbar zusandten, in selber Stunde noch auf Heller und Pfennig. Die kaufmännische Vertrauenswürdigkeit hielt für ihn nicht an den Grenzen des Geschäftsbetriebes an. Die Führung des häuslichen Lebens mußte in Aufwand und Deckung genau so untadelhaft sein, ja durch ihre Vorbildlichkeit das Ansehen des Geschäftes stützen.

»Ich habe,« sagte er sich, »versäumt, Sabine ein klares Bild meiner geldlichen Lage zu geben. Seelische Unstimmigkeiten hätten mich nicht hindern dürfen. Der Hauptteil der Schuld an ihrer Verschwendungssucht trifft daher mich selbst, und ich muß ihn ausräumen.«

An einem Abend, als der Zufall sie alleingelassen hatte, entwarf Martin Opterberg seiner Frau in großen und klaren Zügen ein Bild seines Werkes, seiner Verpflichtungen und seiner baren Betriebsmittel. Sabine, die nur mit halbem Ohr zugehört hatte, horchte erst bei Nennung der letzteren auf.

»Für so unmenschlich reich hätt’ ich dich ja gar nicht gehalten, Martin!«

Wider seinen Willen mußte Martin Opterberg laut hinauslachen.

»Bist du nun wirklich ein so verständnisloses Kind, Sabine, oder gar so leichtfertig, über den Ernst der Dinge hinwegzuhüpfen. Ich erkläre dir doch, daß die Höhe meiner Verpflichtungen den Gesamtwert meiner Werft mit allem, was daran und darin ist, fast erreicht und daß meine Betriebsmittel solange nur als geliehen anzusehen sind, bis meine Frachtdampfer fahren und sich selbst bezahlt machen.«

»Vorläufig aber gehören deine Gelder dir, und du kannst darüber verfügen, wie du willst. Mein Gott, hätten wir zu Hause immer eine so großartige Deckung gehabt wie du in deinen Werftanlagen.«