»Wenn die Werft, was Gott verhüten möge, Hals über Kopf verkauft werden müßte, käme der angesetzte Betrag nicht annähernd heraus, und meine baren Gelder müßten in die Bresche. Das ist doch einleuchtend.«

»Nein,« sagte Sabine Opterberg, »das ist gar nicht einleuchtend, und mein Vater war als Künstler ganz sicher ein gescheiterer Kaufmann als du als Werftherr. Kommt Not an den Mann, so verkauft man, was man grad nicht braucht. Du erzählst mir doch, dein erster Frachtdampfer sei segelfertig. Also schlag ihn los, und du hast deinen Gewinn obenein.«

»Es ist schwerer mit dir zu reden, als ich dachte,« erwiderte Martin Opterberg nach einer stummen Weile. »Und es ist vielleicht sogar unnütz. Du kennst meine Pläne, mit eigenerbauten Schiffen als Reeder aufzutreten und dadurch und durch meine Kenntnis der Märkte den Warenaustausch zu verbilligen. Du aber tust, als ob die Bedeutung von Lebensaufgaben nur darin bestände, möglichst schnell und möglichst viel Geld für die eigene werte Persönlichkeit herauszuschlagen, komm’ nachher, was da wolle. Ich möchte dir als meiner Frau ein wenig mehr Ernst für meine Angelegenheiten anempfehlen.«

»Ach, Martin, und ich möcht’, es käm’ heut’ abend noch irgendwer zu Besuch, mit dem sich lustiger reden ließ’ als mit dir.«

Martin Opterberg betrachtete sie, als sähe er, wie so oft schon, ein fremdes Gesicht.

»Ich halte es für einen Glücksfall, Sabine, daß wir einmal ungestört sind. Als ich dich heiratete, wußte ich, wer du warst, aber ich täuschte mich, als ich auch zu wissen glaubte, was aus dir werden könnte. Bitte, laß mich. Ich hoffe ja immer noch, daß es nur der rechten Stunde bedarf, um dich zu deiner wahren Bestimmung hinzuleiten. Die seh’ ich aber nur in deiner Eigenschaft als Gattin und Mutter.«

»Ei, also dahinaus geht’s. Kannst du mir auch nur die geringste eheliche Untreu’ aufweisen?«

»Sprich das Wort nicht aus!« donnerte Martin Opterberg. »Pfui Teufel, wer gibt dir solche Marktweiberausdrücke in den Mund?«

Er bezwang sich vor ihrem schreckensbleichen Gesicht und wurde ruhiger.

»Eheliche Untreue. Weißt du, was das ist? Das ist ein Schicksal von schwerster Erdenschwere für den, der sie aus der Einsamkeit seiner mißhandelten Seele oder aus einer unübersehbar großen und alles vergewaltigenden Liebe heraus begeht. Und es ist der gemeine Drang seelenloser und liebeleerer Geschöpfe, nichts als sich und ihren Trieben zu schmeicheln und ihren zigeunernden Körper für sich und andere zum Abgott zu machen. Nicht doch. Wir reden in der Erregung von Dingen, die gar nicht in Worte zu kleiden sind. Weder die eine noch die andere Art kommt hier in Betracht. Wir wollen vom Glück und nicht vom Unglück sprechen, und da steht es für mich fest: wärst du Mutter und nicht nur Gattin, du würdest dich schnell in dir selber zurechtfinden und dein bisheriges Tun und Treiben belächeln.«