»Ich wünsch’ mir keine Kinder. Ich hab’ nur einmal mein bißchen Jugend und Schönheit, und will’s auskosten.«
»Weshalb hast du mich geheiratet, Sabine?«
»Um deinetwillen. Aber doch gewiß nicht, um aus der Eng’ des Barthelmeßhauses hinauszugelangen und mich gleich wieder in die Eng’ der Kinderstub’ einmauern zu lassen. Ich denk’ gar nicht daran, meine Freiheit dranzugeben und mich vor der Zeit zu verschandeln für ein bißchen gefühlsselig Eiapopeia. Ach nein, die Sabine Opterberg ist auch noch auf der Welt.«
Martin Opterberg blickte sie an, als blickte er in einen leeren Raum. Und als er hinausgegangen war, schritt er durch den Garten an den Rhein, als müsse er wieder einmal über die Wasserflut hinweghorchen nach dem Oberrhein, und er schritt zur Gartenpforte hinaus, bis er den Werftplatz erreicht hatte, und tastete sich in der Dunkelheit bis zu dem Schiff, das zur Abnahme fertig lag. Und während er mit der Hand über die Bohlen und Planken glitt, dachte er: »Hier also zeuge ich meine Kinder. Hier.«
Heiß wollte es ihm in die Kehle steigen, wie er in die Dunkelheit starrte.
Der ersterbaute Rhein-Seedampfer Martin Opterbergs war in das Eigentum einer großen Reedereigesellschaft übergegangen. Es war dem Erbauer schwer geworden, den Erstling seiner Pläne zu verkaufen und die Ausführung seiner Pläne wiederum auf Jahre zu verschieben. Aber als er an einem arbeitsfreien Sonntag einen Überschlag seiner häuslichen Verbrauchnisse zu Papier gebracht hatte und einen Voranschlag über die mutmaßlichen Bedürfnisse der nächsten Jahre, war sein Entschluß auf der Stelle gefaßt.
Der Verkauf hatte einen reichen Gewinn gebracht. Und wenn das glänzende Ergebnis auch das Selbstbewußtsein des Erbauers stärkte, Martin Opterbergs Freude ging leer aus. Wohl dachte er, nimm’s als Lehrgeld, aber er fühlte, wie die Unruhe seines häuslichen Lebens nun auch in seine Arbeit einzudringen trachtete und sie zur Sklavin des Gelderwerbs herabdrücken wollte. Sabine Opterbergs Ausgaben waren seit der letzten Aussprache nicht nur gestiegen, die alten Barthelmeß und die Brüder Barthelmeß traten immer häufiger und mit immer dringenderen und umfangreicheren Geldforderungen an ihn heran.
»Schreibe deinen Eltern und deinen Brüdern,« sagte er zu Sabine, »die Rechnung stimme nicht. Sie seien zu vier Männern, die arbeiten könnten, und ich nur ein einzelner. Die Firma heiße Martin Opterberg und nicht Opterberg & Barthelmeß.«
Sabine sah ihn mit zornigen Augen an.