Auf Martin Opterbergs Geldsendungen trafen herzlich gehaltene Dankschreiben von Barthelmeß Vater und Söhnen ein. Alle aber schrieben sie wie in einem geheimen Einverständnis, die mißverständliche Beurteilung der augenblicklichen Verhältnisse läge lediglich an der viel zu geringen Pflege der Familienbeziehungen, deren Vernachlässigung sie sich aufrichtig zum Vorwurf machten, die sie aber durch baldige Besuche zu heben gedächten.

Als erste erschienen Professor Barthelmeß und Frau. Und während sich Frau Hadwigas quecksilberne Unrast schon in den ersten Tagen daran machte, der Tochter Truhen und Schränke auf abgelegte Festgewänder und Leibwäsche zu untersuchen und sofort zum Mitnehmen zu verpacken, begann der Professor, das künstlerische Gesicht des Hauses von Grund aus neu zu gestalten und alle Möbel durcheinander zu rücken. Kaum, daß Martin Opterberg ihn von seinem ganz auf das Persönliche eingestellten Arbeitszimmer abzuhalten vermochte.

»Vergiß nicht, Martin, daß du die Tochter eines ersten und anerkannten Künstlers zur Frau besitzest. Das mußt du dir immer vergegenwärtigen.«

»Ich weiß die Ehre nach ihrem vollen Wert zu schätzen.«

Unter großem Lärmen rückten die Brüder ein. Wieder erschienen sie ohne ihre Frauen, aber Martin Opterberg wußte ihnen hierfür wenigstens Dank, denn er hatte im Laufe der Jahre erfahren, daß der erste seine einst vermögende Frau irgendwo und irgendwann im Stiche gelassen und der zweite ein Mädchen niederster Sorte geheiratet habe, der dritte aber eigentlich unverheiratet sei und nur in wilder Ehe lebe. Widerwillig genug bot er den Brüdern seiner Frau die Gastfreundschaft.

Mit Genugtuung hatte Sabine festgestellt, daß der Vater in seinem wallenden grauen Patriarchenbart und die Brüder in ihren nach dem neuesten Schnitt gearbeiteten Anzügen sehenswerte Figuren darstellten und auch die Mutter in ihrer fahrigen Beweglichkeit noch den alten Reiz ausübte. So zögerte sie nicht, eine Festtafel zu rüsten, die der Künstlerprofessor in ein wunderbares Gebilde aus roten Rosen wandelte, und ihre Verehrer und Neiderinnen zu laden, um die Barthelmeßleute und damit sich selbst in vorteilhaftestem Lichte vorzuführen.

Die Gäste saßen wie verzaubert in der Fülle von Rosen, aßen mit Bewunderung von den ausgesuchten Speisen und tranken mit Andacht die edel zusammengestimmten Weine. Es war nur eine Stimme an der festlichen Tafel, daß das Haus Opterberg, von dessen anmutreicher Herrin man zwar täglich neue Überraschungen gewöhnt sei, diesmal sich selber übertroffen habe.

Sabine Opterberg wies mit strahlender Miene auf ihren lächelnden Vater.

»Ja, meine verehrten Damen und Herren,« lehrte der Professor, »die Errichtung einer Festtafel ist eine Kunst, die ebensoviel natürliche Begabung wie die allererlesensten Vorbilder verlangt. Beides vereint ergibt erst den untrüglichen Geschmack. Es nützt nichts, die feinsten Weine zu trinken, man muß sie auch nach Duft, Fülle und Feinheit in eine so stimmungsvolle Steigerung zu bringen wissen, als erschlösse sich langsam aus der Knospe die ersehnte Rose. Was ich in dieser und anderer Beziehung an den Höfen der Fürsten und Vornehmen des guten Geschmackes erlernen durfte, ist meiner angeborenen Begabung zugute gekommen. Sollte ich einmal den Vorzug genießen, Sie als liebe Gäste in meinem eigenen Heim begrüßen zu dürfen, so werden Sie finden, daß sich auch der Reiz des erlesensten Weines durch die künstlerische Form der Trinkgefäße noch erhöhen läßt.«

Und nun plauderte der Professor von Italien und Spanien, und es waren Siegeszüge des Künstlers und des Mannes, die er vor den freudig horchenden Herren entrollte, und die gebeseligen Frauen spielten bald eine größere und munterere Rolle darin als der seligmachende Wein.