Der anfeuernde Beifall, den der durchtriebene Schönredner fand, ließ den Ehrgeiz der Söhne nicht lange ruhen. Schon hatte der Wein in den Gemütern der Gäste die allerfeinsten Übergänge ausgewischt, und die Söhne konnten den Faden schon um einige Nummern kräftiger spinnen. Künstlerfeste, auf denen der erste Blick das Schicksal der Frauen bedeutete, wechselten mit geheimnisvollen Stelldicheins in Palästen und Parks voller Marmorbilder. Händeringende, liebefordernde Damen flehten um Entführung. Kraftwagen brausten durch die Nacht und über die Alpen. Hie und da blitzte im Zweikampf die Klinge. Namen wurden im Eifer des erregenden Berichts hervorgestoßen und erschreckt auf schonende Weise zurückgenommen. Ausrufe des Entzückens, schadenfreudiges Gelächter, derbe Zwischenrufe durchschwirrten die Tischgesellschaft. Sabine Opterberg aber genoß den frechen Unsinn der Brüder mit leuchtenden Augen.
»Und wer bezahlt das ganze Zaubertheater?« rief einer der Fabrikherren in aufgeräumter Stimmung. »Im Leben hätt’ ich nicht gedacht, daß die Kunst so ausgiebig ihren Mann ernährt. Denn, wie mir Ihre Frau Schwester verrät, sind Sie ja allesamt Künstler, meine Herren.«
»Künstler?« riefen die drei Brüder wirr durcheinander zurück. »Gibt das Wort allein alles her? Schafft es Gold und Edelstein? Frauen, Rosen und Wein? Der Mann muß hinzu! Der Siegerwille! Wir sind Lebenskünstler!«
Da erhob sich Martin Opterberg von seinem Platz, neigte sein Glas huldigend vor den drei Schwägern, leerte es und setzte sich wieder ohne ein Wort.
Einen Augenblick stand den Prahlhänsen der Mund offen. Dann begriffen sie und klopften sich die Stäubchen vom Frack. Und Sabine Opterberg wünschte eine gesegnete Mahlzeit und hob die Tafel auf.
Als die Gäste gegangen waren, winkte der alte Barthelmeß dem Hausherrn mit den Augen.
»Wir rauchen noch eine Zigarre zusammen.«
»Wenn es dir Freude macht — gewiß.«
»Laß erst meine Herren Söhne verschwunden sein. Sie wittern überall ein Geschäft und sind nicht wegzuschlagen.«
»Handelt es sich denn um ein Geschäft? Dann könnten wir es auf morgen verschieben.«