»Martin!« schrie Christoph Attermann auf und lag ihm am Halse.

Einen Augenblick verhielten die beiden und rührten sich nicht. Aber jeder hörte in der Brust des anderen das niedergehaltene Schluchzen. Dann machte sich Martin Opterberg frei.

»Und das Theresel?« fragte er lächelnd.

Sie hielt ihren kleinen Buben auf dem Arm und streckte ihm die Hand entgegen.

»Grüß’ dich Gott, Martin. Hier ist das Theresel, und der kleine Christian dazu.«

»Er heißt nach unserer Mutter?« Und er streichelte des Kindes feines Blondhaar.

»Nach unserer Mutter,« wiederholte Therese Attermann mit einem tiefen Ton.

Er sah sie an, und ihre Blicke trafen sich. Voll und ruhig lagen sie ineinander.

»Du bist die alte geblieben, Therese, und das heißt: die junge von dazumal. Kein Zug in deinem Gesicht ist anders geworden. Ihr müßt sehr glücklich geworden sein, daß die Zeit keine Spuren einzugraben fand. Denn auch der Christoph blieb, wie er war. Nur strahlender, viel strahlender schaut er aus.«

»Dir aber sieht man die Arbeit der Tage und Nächte an,« sagte Christoph Attermann freimütig, »und das Theresel muß dir einmal den Puls fühlen und dich in die Kur nehmen.«