»Wenn’s arg schlimm wird, komm’ ich, Theresel. Weißt du noch den ersten Kopfwickel zu Freiburg? Der Allererste war ich, der sich ein Herz faßte zu deiner ärztlichen Kunst.«
»Das war, als du dich jählings in das Theresel verliebtest,« sagte Christoph Attermann, und das Wort war gesprochen. Martin Opterberg nickte ihm zu und nickte der Hausfrau zu.
»Und mir fahnenflüchtigem Manne muß das Glück geschehen, daß mir die Freundin in meinem Bruder Christoph erhalten geblieben ist.« Er sprang ab. »Ich hatte frische Luft nötig. Da bin ich zu euch hinausgekommen.«
»Setzt euch nieder,« bat die Hausfrau, »setzt euch nieder und plaudert. Ich leg’ nur den Kleinen zur Ruh’ und bin gleich die dritte im Bund.«
Zu dritt saßen sie in dem hellen Wohngemach und plauderten von Jugend und Heimat, und wie im Badner Land stand ein offener Wein auf dem Tisch. »Er ist von der Mutter,« sagte Therese Attermann. »Sie schickt von Zeit zu Zeit ein Fäßlein.«
»Mir schickt sie keins,« gestand Martin Opterberg und blickte nach der Wand, die als Schmuck ein großes Bildnis Frau Christianes trug. Das gleiche Bild hing daheim in seinem Arbeitszimmer. Hier behauptete es vor aller Welt den Ehrenplatz.
»Du bist gewiß ein so verwöhnter Herr geworden, daß sie’s sich nimmer traut?« meinte das Theresel und folgte seinem Blick.
»Ja, so ein verwöhnter Herr bin ich geworden. Und in einer Anwandlung von Leutseligkeit, so denkst du, bin ich von meinem goldenen Thron gestiegen, um mich bei euch zur Auffrischung des Blutes von einem Quäntchen Heimweh durchrütteln zu lassen. Ja, so wird’s wohl sein.«
»Schwätz nicht, Martin,« rief die Hausfrau fröhlich, hielt ihm ihr Glas entgegen und stieß mit ihm an. »Weshalb du gekommen bist, ist mir gleich, mir und dem Christoph. Die Hauptsach’ ist, daß du gekommen bist und wir wieder beieinander sitzen.«
»Jetzt müßt ihr erzählen,« bat Martin Opterberg. »Ich rühr’ mich nicht in meinem Sessel. So heimelig bin ich schon.«